Von Neuberesinchen in die Lebuser Vorstadt: Die Straßenbahnlinie 1 der Stadtverkehrsgesellschaft (SVF) wurde 2010 am meisten frequentiert. Knapp 2,5 Millionen Menschen nutzten von Januar bis Dezember dieses Fahr-Angebot mit 16 Haltestellen, darunter Birkenallee, Dresdener Platz und Bahnhof, Brunnenplatz und Topfmarkt. „Das waren 20 Prozent all unserer Fahrgäste von Bahn und Bus. Im zurückliegenden Jahr zählten wir etwas mehr als 7,1 Millionen Nutzer der Straßenbahn und ?3,9 Millionen der zehn Buslinien“, informierte SVF-Geschäftsführer Michael Ebermann.
Mehr als eine Million Frankfurter und Gäste der Stadt stiegen im zurückliegenden Jahr auch in die Straßenbahn-Linie 4 – sie rollt von Markendorf zum Stadion und zurück – und 3 (Kopernikusstraße – Europa-Uni und zurück). An diese Spitzenwerte kamen bei den Bussen nur die Linie 981 (Kopernikusstraße – Booßen und zurück) mit 2,052 Millionen und die Linie 980 (Seefichten – Bahnhof und zurück) mit 1,030 Millionen Mitfahrern.
Trotz unterschiedlicher Fahrgastzahlen bei Bahn und Bus seien für Frankfurt beide Beförderungsangebote gleichermaßen wichtig, betonte Ebermann. „Um unseren Qualitätsansprüchen gerecht zu werden, müssen wir nicht nur auf den Hauptverkehrslinien, sondern auch in der Fläche präsent sein und dürfen die acht Ortsteile der Stadt nicht aus den Augen verlieren.“
Besonders gering frequentiert sind die Buslinien 984, 986, 987 und 988 sowie die beiden Nachtbusse N1 und N2. Die Nachtlinie 2 – sie tangiert Freitag-, Sonnabend- und Sonntagnacht Neuberesinchen, Güldendorf, Lossow und Booßen – hatte im zurückliegenden Jahr nur 619 Fahrgäste. Das sei schon eher Individualverkehr, gehöre aber dennoch zu einem hochwertigen ÖPNV-?Netzangebot, argumentierte Ebermann.
Bei einer Qualitätsbilanz für 2010 des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg schneidet Frankfurts Stadtverkehrsgesellschaft mit sehr guten Ergebnissen ab. Im Vergleich zu Städten wie Brandenburg/Havel, Cottbus und Potsdam ist Frankfurt Spitze – was die Verlustausgleichszahlungen je gefahrener Kilometer von Bahn und Bus anbelangt. Während die Verkehrsbetriebe der Landeshauptstadt mit 3,68 Euro für einen – wie es heißt – Nutzwagenkilometer bezuschusst werden müssen, sind es bei der Cottbusverkehr GmbH nur 3,12 Euro und bei den Verkehrsbetrieben in Brandenburg gar 2,84 Euro. Die Frankfurter Stadtverkehrsgesellschaft hingegen benötigte im Jahr 2010 für einen Nutzwagenkilometer jedoch nur einen Zuschuss von 2,27 Euro.
Insgesamt kamen im vorigen Jahr die Straßenbahnen der SVF auf eine Gesamtfahrleistung von 1,010 und die Busse von 1,431 Millionen Kilometer.
Mit dem Begriff Nutzwagenkilometer bezeichnen die Experten des Öffentlichen Nahverkehrs (ÖPNV) die Betriebsleistung, welche für die Durchführung des Fahrplans aufgewendet werden muss.
A und O in einem Unternehmen wie der Stadtverkehrsgesellschaft mit derzeit 164 Beschäftigten und acht Auszubildenden ist – neben wichtigen Kriterien wie zufriedene Kunden, Stabilität und Sicherheit – die Wirtschaftlichkeit. Hartmut Huwe, Technischer Leiter und Prokurist der SVF, informierte, dass sich der Jahresfehlbetrag von mehr als 9,5 Millionen Euro im Jahre 1995 auf jetzt 5,3 Millionen Euro reduziert habe. Trotz schwindender Einwohnerzahl hätte sich die Zahl der Zeitkartenbesitzer erhöht. Sie machen jetzt 74 Prozent der Gesamtfahrgastzahl von knapp 11 Millionen im Jahr aus und seien eine berechenbare Größe.
„Dauerkunden bilden das Fundament unseres Unternehmens – vielleicht vergleichbar mit dem großen Stamm der Abonnenten der Märkischen Oderzeitung“, meinte Huwe. 26 Prozent der Fahrgäste sind somit eher Gelegenheitskunden. Rund 33 Prozent der Fahrgäste sind Schüler, Studierende und Auszubildende.