"Saluton" sagen die Kursteilnehmer zur Begrüßung. Ronald Schindler schreibt einen Beispiel-Satz an die Tafel: "Bonan vesperon en Frankfurto" - Guten Abend in Frankfurt. Die Beschäftigung mit dem Esperanto beschränkt sich aber nicht nur auf die Räumlichkeiten in der Lindenstraße 6. Die derzeit drei Kursteilnehmer besuchen gemeinsam auch verschiedene Städte, um dort andere Esperanto-Sprecher zu treffen. Maciej Rokita war von Anfang an in dem Kurs dabei. Er hatte damals begonnen, Französisch zu lernen, erzählt der Jura-Student. Weil Esperanto die leichtere Grammatik hat, lernte er es nebenbei. "Ich wollte die Barriere zu den romanischen Sprachen durchbrechen", sagt er.
Obwohl es in vielen Ländern eine Gemeinschaft aus Esperanto-Sprechern gibt, spielt es auf internationaler Ebene kaum eine Rolle. "Das Englische hat sich letztendlich durchgesetzt. Dabei ist es viel schwieriger", sagt Ronald Schindler, der der Vorsitzende des Esperanto-Verbandes Berlin-Brandenburg ist. Die Besonderheit des Esperanto ist, dass es eine leicht erlernbare Sprache ist, die Elemente aus verschiedenen Sprachen vereint, darunter sind romanische, germanische und slawische Anteile. Außerdem gibt es in der Grammatik der Plansprache keinerlei Ausnahmeregeln. "Tolstoi hat es in vier Tagen gelernt, aber das müssen wir ja nicht", sagt er schmunzelnd. Aber auch Normalsterbliche beherrschen die Sprache relativ schnell. Nach einem halben Jahr könne man sich problemlos unterhalten, sagt der Kursleiter. "Und schon nach dem ersten Tag kann man es lesen", fügt er hinzu. Denn das Gesprochene und das Geschriebene unterscheiden sich nicht.
Ronald Schindler wünscht sich, dass Esperanto irgendwann internationale Zweitsprache wird. Da es sich um eine künstliche Sprache handelt, würden existierende Sprachen so geschützt, ist er überzeugt.
Mit vielen Esperantisten weltweit steht Ronald Schindler in Kontakt. Etwa 600 Brieffreunde in aller Welt hat er, mit denen er sich auf Esperanto schreibt. Regelmäßig finden außerdem Treffen für Sprecher der Plansprache statt. "Man fühlt sich wie in einer großen Familie", sagt er. Mehrere 100 000 Menschen weltweit sprechen regelmäßig Esperanto. Sogar Zeitschriften gibt es und viele Bücher wurden in die Plansprache übersetzt. Ronald Schindler zeigt ein Beispiel: "Die Blechtrommel" von Günter Grass heißt auf Esperanto "La lada tambureto".
Der Esperanto-Kurs richtet sich an Anfänger und findet jeden Donnerstag von 19.15 Uhr bis 21 Uhr im Café Slubfurt statt, die Teilnahme ist kostenlos. Weitere Infos gibt es bei Ronald Schindler telefonisch unter: 033605/524138.