Und auch in Müllrose sei es unmöglich, einen Termin bei der Hautärztin zu bekommen, weiß sie. Auf deren Internetseite heißt es: „Aus Kapazitätsgründen infolge des gravierenden Hautärztemangels in unserer Region und um die weitere Versorgung der bestehenden Patienten unserer Praxis gewährleisten zu können, ist es uns momentan leider nicht möglich, weitere Neupatienten aufzunehmen.“ Nur ein Hausarzt könne, „falls es notwendig sein sollte, mit uns kurzfristig einen Akut-Termin vereinbaren.“
„Ich kann doch nicht bis nach Berlin fahren“, sagt Ellen Thom, die berufstätig ist. Das Thema stand kürzlich auf der Tagesordnung des Gesundheits- und Sozialausschusses der Stadt. Dort erklärte Sozialdezernent Jens-Marcel Ullrich: „Es ist bisher nicht gelungen, einen Hautarzt zu finden, der sich in Frankfurt niederlassen möchte“. Er verwies darauf, dass Patienten weiter das Dermatologie-Angebot im MVZ (Medizinisches Versorgungszentrum) im Klinikum in Anspruch nehmen müssten.
Die Stadt sei im Gespräch mit einem Interessierten aus Berlin, der in Frankfurt eine Nebenpraxis eröffnen möchte. „Es ist aber noch nicht zu belastbaren Ergebnissen gekommen“, so Ullrich.
„Selbst wenn er einen Nebensitz hier aufmacht, wird noch nicht einmal, die Kapazität von früher erreicht werden“, meinte die Abgeordnete Renate Berthold (Bürgerbündnis). Sie fragte, ob es Bestrebungen gebe, mit dem deutsch-polnischen Gesundheitszentrum Brandmed in Słubice in Kontakt zu treten oder potenzielle Patienten auf die dortigen Angebote stärker hinzuweisen? „Der Bedarf ist ja so groß, dass wir niemandem etwas wegnehmen“, sagte sie. Den Słubicer Hautarzt im Gesundheitszentrum hatte auch Ellen Thom als potenzielle Lösung hinterfragt.
Chirurg Dr. Christian Federlein wies in der Sitzung darauf hin, dass die Krankenkassen Behandlungen in Polen bezahlen. „Man muss wissen, dass der Patient dort eine Privatrechnung bekommt, ungefähr 36 Euro, und die Krankenkasse bezahlt dem Patienten davon dann 20 Euro,“ so Federlein. Das sei mehr, als sie der kassenärztlichen Vereinigung für deutsche Dermatologen zahle.
„Das heißt, die Krankenkassen zahlen polnischen Ärzten mehr als den deutschen, das muss man mal so zusammenfassen.“ Im ersten Quartal 2017 habe ein Dermatologe im Land Brandenburg pro Fall etwa 15 Euro bekommen. Jens-Marcel Ullrich antwortete Renate Berthold, dass es kontraproduktiv wäre, öffentlich für das Angebot in Polen zu werben, wenn es doch für Frankfurt einen Interessenten gebe. Das neue ASB-Gesundheitszentrum in der Heilbronner Straße wolle zwar verstärkt mit „Brandmed“ zusammenarbeiten. Aber Ullrich will den Interessenten aus Berlin nicht verschrecken.
„Wenn wir zur nächsten Ausschuss-Sitzung nichts Konkretes anbieten können, dann sollten wir die Diskussion noch einmal vertiefend führen“, kündigte er an. Die nächste öffentliche Beratung des Gesundheitsausschusses findet am 26. Februar, ab 17 Uhr im Raum Heilbronn des Rathauses statt.