Das Wissen um Viren und Infektionskrankheiten steckte zu Loewensteins Lebzeiten noch in den Kinderschuhen. Gleich zu Beginn seines Aufsatzes heißt es einleitend: "Wenn wir nach der Entstehung der Epidemien fragen, so finden wir, daß andauernde Kriege, Mißwachs, Theuerung, Ueberschwemmung und die damit verbundenen Gemüthsaffekte zu allen Zeiten Seuchen hervorriefen, daß aber auch in ein tiefes Dunkel gehüllte atmosphärische-tellurische Momente vorzugsweise als Quellen derselben betrachtet werden müssen."
Tatsächlich gilt das Bakterium Yersinia pestis, das wohl über Handelsrouten aus Asien nach Europa gelangte und sich wahrscheinlich über Rattenflöhe verbreitete, als Auslöser für die größte Seuche des Mittelalters. Mit der Pest setzt auch Loewensteins Frankfurter Chronologie ein. "Im vierzehnten Jahrhundert war eine der schauererregendsten Seuchen die, welche 1325 von der Levante ausging, allmählich über ganz Europa sich verbreitete, unsere Stadt ein ganzes Decennium von 1348-57 heimsuchte und der schwarze Tod genannt wurde…" Die Krankheit sei nach den Berichten jener Zeit "mit Fieber, Betäubung, Brandbeulen, peinigender Angst" einhergegangen. "Die Ergriffenen starben nach den unsäglichen Qualen, indem sie bei der Umgebung durch Brandflecke und Verwesungsgeruch das furchtbare Grauen hervorriefen und die sich ihnen Nähernden durch Verpestung der Luft ins Verderben mit fortrissen."
Aberglauben und Hexenjagd
Ausführlich geht Loewenstein anschließend auf die Mittel ein, "die damals zur Abwendung oder Heilung der Seuche angewendet wurden". Er nennt dies "ein dunkles Blatt in der Geschichte der Menschheit". Die Bischöfe hätten der Bevölkerung damals geraten, "nicht medizinische Mittel anzuwenden, sondern geistliche".
"Schaarenweise strömten damals daher sowohl gesunde und Kranke zu den Wunderbildern der Heiligen; halbtote Pestkranke schleppten sich zu den Prozessionen und stürzten entseelt nieder. – Als die Seuche fortdauerte, vertrieb und erschlug man die Juden als Ursache der Pest, ebenso die Totengräber, die man beschuldigte, des Gewinnes wegen die Menschen vergiftet zu haben; man verfolgte Hexen und Zauberer, marterte, ersäufte oder verbrannte sie. Man wurde des Beerdigens der Leichen überdrüssig und überließ sie der Verwesung".
In Europa soll der Schwarze Tod zu dieser Zeit bis zu 25 Millionen Tote gefordert haben.