Gegen 15 Uhr gingen Sonja Gudlowski von der Bürgerinitiative Lennépark und ihr Mann Peter das letzte Mal im Park spazieren – zu der Zeit waren die Stolpersteine noch an Ort und Stelle, und zwar an dem Mauerstück an der Rückseite der Lenné Passagen. Als die Bürgerinitiative dann um 19 Uhr in dem Bereich Müll einsammelte, entdeckten die Freiwilligen, dass die Stolpersteine fehlen. "Das war ein Schockmoment", berichtet Sonja Gudlowski. Sie sei sprachlos gewesen, habe im ersten Moment an Vandalismus geglaubt. Das Ordnungsamt wurde hinzugerufen, Jan Augustyniak, Vorsitzender der Frankfurter Linken, erstattete Anzeige.
OB will Patenschaft erneuern
Wie die Polizeidirektion Ost mitteilte, untersucht der Staatsschutz in der Sache. "Die Kriminalisten ermitteln, wer verantwortlich dafür ist", teilte Polizeisprecher Stefan Möhwald mit. "Es gilt, die Ermittlungen des Staatsschutzes abzuwarten", so OB René Wilke. "Sollte sich dabei herausstellen, dass es sich um einen vorsätzlichen Anschlag auf unsere Erinnerungskultur gehandelt hat, verurteile ich das aufs Schärfste." Für den Stolperstein, für den er vor fünf Jahren eine Patenschaft übernommen hatte, will er bei einer Neuverlegung wieder Pate werden. Gleiches gilt für die Linke und den Verein Utopia, die ebenfalls Paten für jeweils einen Stolperstein sind.
In Frankfurt und Słubice wurden seit 2006 bislang 181 Stolpersteine verlegt. Dass nun sieben fehlen, sei eine ziemlich große Zahl, so Carsten Höft von der Initiativgruppe Stolpersteine. Denn in ganz Europa, von Spitzbergen bis nach Griechenland und Ungarn, wurden bislang lediglich 700 von 70 000 Stolpersteinen entwendet. "Bis jetzt hatten wir immer Glück", sagt Höft, der sich nur an einen Aufkleber auf einem der Frankfurter Stolpersteine erinnert. Dass einige von diesen nun am helllichten Tag verschwanden, gibt ihm zu denken.
90. Geburtstag von Anne Frank
Dass Metallsammler für das Verschwinden verantwortlich sind, schließt Carsten Höft aus. "Ich weiß nicht, ob es eine Verbindung zum 90. Geburtstag von Anne Frank am Mittwoch gibt", sagt er.
Die Initiativgruppe um ihn, Frank Hühner und Gerd Hoffmann habe bereits überlegt, den Bereich anders zu gestalten. Werden die Steine neu verlegt, könnte man sie etwa in Beton fassen, um sie vor Diebstahl zu schützen. Auch die Bürgerinitiative Lennépark will nun ihre vor einiger Zeit entstandene Idee, den Bereich um die Stolpersteine zu bepflanzen, intensiver verfolgen.
Eigentlich würde der Kölner Künstler Gunter Demnig, der seit 1992 in Europa Stolpersteine verlegt, erst 2020 wieder in Frankfurt an diesem Projekt weiterarbeiten. Doch so lange will die Initiativgruppe nicht warten. "Wir wollen mit den Stolpersteinen ein Zeichen setzen", betont Höft.
Zeugen können sich bei der Polizeiinspektion Oder-Spree/Frankfurt melden, Tel. 03361 5680, bei jeder anderen Polizeidienststelle oder über die Internetwache polizei.brandenburg.de

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