"Steigen Sie mal wieder ein und Sie werden lange nicht aussteigen". Diesen Satz sagte Dezernent Markus Derling zum Ende einer kleinen Gesprächsrunde am "Tag für die Fahrgäste" der Stadtverkehrsgesellschaft an die Frankfurter gerichtet, die Bus und Bahn noch nicht nutzen. Ginge es um die Deutsche Bahn, könnte man über einen gelungenen Scherz schmunzeln. Nicht so bei dem Anbieter des öffentlichen Nahverkehrs in Frankfurt. Über 90 Prozent der Fahrgäste seien mit den Leistungen zufrieden, freute sich Stadtverkehrs-Chef Michael Ebermann.
Auch die Anbindung von Slubice an das Frankfurter Netz war einmal mehr Thema auf dem Podium. Bartosz Sianozecki, Leiter des Amtes für Wirtschaftsförderung in Slubice, meinte, dass spätestens im November alle bürokratischen Hürden überwunden sein werden. Dann könne es mit dem Bus ganz schnell gehen. Haltestellen werden gerade vorbereitet. Auch Matthias Stoffregen vom Verkehrsverbund Berlin Brandenburg freute sich über die Fortschritte. "Erst kommt der Bus und in einigen Jahren wird die Bahn fahren", ist seine Überzeugung.
Eine Bahn der besonderen Art begutachteten die Gäste auf dem Europaplatz jedoch gleich und das mit sehr großem Interesse. Der Arbeitstriebwagen 501 in leuchtendem Gelb konnte einfach nicht übersehen werden. Nicht ohne Stolz verkündete Meister Kersten Heising: "So wie dieser Wagen gebaut ist, gibt es nur einen und der fährt in Frankfurt (Oder)." 150 000 Euro wurden investiert. Der Wagen soll nun jeden Tag unterwegs sein und die Schienen schleifen und schmieren. Das, so Heising, komme auch den Frankfurtern zugute, weil dadurch weniger Lärm entsteht und die Vibrationen im Straßenbahnverkehr spürbar gesenkt werden.
Eine Premiere war auch die Namensfindung für den Arbeitswagen. "Sie ist die erste Bahn, die einen Namen erhält", sagte Wolfgang Worf, der für die Infrastruktur des SVF verantwortlich ist. "Vielleicht könnte man mal darüber nachdenken, den anderen auch einen zu geben", meinte er. Die SVF hatte um Vorschläge gebeten - und einige lustige erhalten. Der "Schienenputzvibrator" konnte sich zum Beispiel nicht durchsetzen. Schließlich einigte man sich auf "Schleifi".
Eine Wahl, die dem vierjährigen Elias Engelhardt auch gefallen hat. Vorerst wollte er aber Busfahrer werden, nachdem er es sich hinter dem großen Lenkrad eines Oldtimer-Busses bequem gemacht hatte. Ob der Berufswunsch von Dauer sein wird, konnte Hildegard Hildebrandt, die den Kleinen begleitete, noch nicht sagen. Sie war jedenfalls mit dem Fest zufrieden und ist es im Großen und Ganzen auch mit dem öffentlichen Nahverkehr. "Manchmal könnten die Fahrer etwas freundlicher sein", lautet ihr einziger Einwand. Als jedoch beim Fahrplanwechsel ein Bus wegfiel, der sie zum Feierabend von ihrer Arbeit nach Hause bringen sollte, nahm sie Kontakt mit der Stadtverkehrsgesellschaft auf. Kurz danach fuhr wieder ein Bus pünktlich zum Feierabend.
Neben alten Bussen gab es am Sonnabend natürlich auch die historischen Straßenbahnen zu bewundern, mit denen man eine Runde durch die Stadt drehen konnte. Wer das nicht wollte, war bei dem bunten Bühnenprogramm bestens aufgehoben oder in der Modellbahnausstellung im alten Straßenbahndepot.