Betriebsblind wollte Lothar Klähr nicht werden. Weil sich aber einer, der seit mehr als 30 Jahren ein Unternehmen führt, da nicht sicher sein kann, holte sich der Elektromaschinenenbauermeister und Elektroingenieur vor knapp zwei Jahren Hilfe ins Haus. Drei Tage seien die Unternehmensberater in der Firma gewesen, erinnert er sich, dann kam die Frage: "Herr Klähr, wie lange wollen Sie eigentlich noch arbeiten?"
Darüber habe er sich eigentlich nie groß Gedanken gemacht, erzählt er. Viel wichtiger sei gewesen, dass sein Elektromaschinen-Service, in Frankfurt (Oder) und Eisenhüttenstadt ansässig, gut läuft. Das Fundament dazu hatte er mit der Firmengründung 1978 gelegt - gefragt waren seine Dienstleistungen immer. Heute zählen ArcelorMittal in Eisenhüttenstadt und das Spanplattenwerk in Beeskow zu den größten Kunden des Unternehmens. Enge Geschäftsverbindungen gibt es auch zum Frankfurter Brauhaus, zu den Stadtwerken und der Wasser- und Abwassergesellschaft (FWA) in der Oderstadt. Elektromaschinen zu reparieren, zu warten und zu verkaufen, das Geschäft von Lothar Klähr, lief und läuft gut.
Blieb noch die Frage der Nachfolge auf dem Chefsessel. Eigentlich, so hätten ihm die Berater damals gesagt, hätte er diese Frage spätestens mit Mitte 50 klären müssen. Nun war er 63 Jahre alt - und hatte auch schon jemanden im Auge: Matthias Bär, 1983 erster Lehrling in seinem Unternehmen, seit der Wendezeit Meister seines Fachs und zuletzt mit Arbeitsvorbereitung und Qualitätsmanagement im Betrieb beschäftigt. Besonders lange musste der nicht überlegen. "Hier war es ja lange schon meine Firma", sagt Matthias Bär und deutet dahin, wo sein Herz ist. Der 44-Jährige findet nachträglich, dass es gut gewesen ist, noch über Jahre Erfahrung als Angestellter sammeln zu können.
Etwa ein Jahr lang haben beide jetzt den Betriebsübergang vorbereitet, und seit Jahresbeginn ist Matthias Bär Firmeninhaber. Sie hätten eine für beide Seiten zufriedenstellende Lösung gefunden, berichten sie, finanziell betrachtet und im Sinne des Unternehmens mit heute 23 Mitarbeitern. Lothar Klähr arbeitet jetzt verkürzt. Den Schreibtisch im Chefzimmer hat er schon geräumt, sein Arbeitsplatz ist jetzt ein provisorischer nebenan. Bis zum Jahresende wird er bleiben, so ist es ausgemacht. Auch seine Frau Anita will sich aus dem Betrieb zurückziehen.
Für das Unternehmen sehen der alte und der neue Chef gute Chancen, unter anderem deshalb, weil sich der Elektromaschinen-Service Klähr - seit Jahresbeginn mit dem Zusatz: Inhaber Matthias Bär - mit dem Service für Industriemaschinen auf eine Nische spezialisiert hat. Das allein reiche jedoch nicht, sind sich beide einig. Und fügen hinzu, dass es wichtig sei, jeden Kunden mit seinem Anliegen ernst zu nehmen und seinen Auftrag so schnell und so gut wie möglich zu erfüllen.