"Gut, dass ich einen Zug früher genommen habe." Freitags unternimmt der Berliner Klaus Pretzel immer seine Einkaufstour nach Slubice wie er sagt, und weil er dieses Mal eher losgefahren ist als sonst, hat er gerade noch den letzten Morgen-Bus vom Bahnhof über die Grenze erwischt. Der fährt um 8.35 Uhr, über Mittag startet die Buslinie 983 auf deutscher Seite an der Europa-Universität, um nach Slubice zum Plac Bohaterow (Heldenplatz) zu fahren.
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Dort um die Ecke wohnt ein Mann, der in der ersten Woche schon fast zum Stamm-Fahrgast geworden ist, wie ein Busfahrer erzählt. Er müsse regelmäßig zum Arzt, habe der Pole ihm erzählt, und weil er in Frankfurts Zentrum ohnehin fürs Parken bezahlen müsse, könne er sich doch auch gleich einen Busfahrschein kaufen.
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Das muss Erika Kowallek zwar sowieso, wenn sie in die Stadt will. "Zu Fuß vom Südring ist es mir zu weit", erzählt die 67-Jährige. "Und ein Auto habe ich nicht." Aber Anlaufpunkte in Slubice: In den Supermarkt geht sie, um den polnischen Käse zu kaufen, der ihr so schmeckt. Beim Konditor holt sie hin und wieder Kuchen fürs Kaffeekränzchen und von Zeit zu Zeit lässt sie sich in der Nachbarstadt auch die Haare machen. Was Erika Kowallek bedauert, ist, dass sie am Vormittag immer erst zum Brunnenplatz muss, um dort in den Bus umzusteigen. Die Straßenbahnlinie 4 hält fast vor ihrer Haustür; am Bahnhof könnte sie bequem umsteigen. So muss sie sogar zweimal wechseln, weil die 4 am Platz der Republik in nach rechts in Richtung Stadion abbiegt.
Bei der Stadtverkehrsgesellschaft SVF ist man indes weiter dabei, Erfahrungen zu sammeln. Für ein Fazit mit Substanz sei es noch viel zu früh, sagt SVF-Geschäftsführer Michael Ebermann. Mit dem Start der Linie ist er aber zufrieden. Auch für die Busfahrer habe sich das Projekt gut angelassen, findet er. Sechs SVF-Mitarbeiter fahren momentan die Linie 983, die wochentags 21-mal zwischen beiden Grenzstädten unterwegs ist.
Dass kommt Ewa Kotynska gut zupass. Noch lieber hätte die 25-jährige Frau aus Slubice zwar eine Straßenbahn, aber mit dem Bus das sei doch schon ein guter Anfang findet sie. Aufmerksam hat sie verfolgt, wie lange um die Nahverkehrsverbindung gerungen wurde, und nun ist sie an den ersten sechs Tagen schon mindestens zehn Mal mit dem Bus nach Frankfurt gefahren: Um in Magistrale, Oderturm und Lenné Passagen Weihnachtsgeschenke zu kaufen; um mit ihrer Tochter in die Schwimmhalle zu gehen und einmal, um mit der ganzen Familie Freunde zu besuchen, die in der Bergstraße wohnen. Für diese Besuche habe die Familie, sonst immer das Auto genommen, erzählt sie und freut sich, dass jetzt wenigstens auch ein Glas Sekt zum Anstoßen drin ist.
Über Mittag Endstation: Nach 8.35 Uhr bis 14.35 Uhr fahren die Busse am Gräfin-Dönhoff-Gebäude ab.Foto: MOZ/Annette Herold
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Frankfurter und Slubicer nutzen Verbindung / Wunsch nach häufigerer Abfahrt am Bahnhof