Ich kann mir das nicht erklären", sagt Uwe Venske, als er von der schockierenden Nachricht am Mittwochmittag erfährt. Im Wohnblock des Traubenwegs pflegte der Bewohner 26 Jahre lang mit dem 83-Jährigen eine gute Nachbarschaft. Der mit in der Wohnung lebende Sohn sei immer nett und unauffällig gewesen.
Die Nachbarn tauschten mal ein Glas Honig aus oder hielten ein Schwätzchen über die Balkone hinweg. Sogar Geburtstagsgeschenke übergaben sich die Nachbarn gegenseitig aus. "In unseren Wohnungen haben wir uns aber nie besucht", so Venske. Warum der Sohn den Vater nun am Montagmorgen erstach und sich dann vom Balkon stürzte, ist ihm ein Rätsel. "Seit dem Tod seiner Mutter vor zwei bis drei Jahren kümmerte er sich um seinen Vater", so der Nachbar.
Um 7.10 Uhr wurde die Polizei am Montag in den Traubenweg gerufen. Zeugen fanden den 52-jährigen Mann verletzt am Boden liegen. Der Notarzt konnte nur noch den Tod feststellen "Ich habe einen Schrei gehört. Es war schrecklich", berichtete eine 39-jährige Nachbarin. Als die Polizei die Wohnung des Mannes öffnete, lag der 83-jährige Vater ebenfalls leblos in der Wohnung, so die Polizei.
"Der 52-jährige Sohn erstach am Montagmorgen seinen 83-jährigen Vater mit acht Stichen in Brust und Hals", berichtet Ricarda Böhme von der Frankfurter Staatsanwaltschaft der MOZ am Mittwochmittag. Dann  stach sich der Mann mit dem Messer selbst vier Mal in die Brust – und sprang vom Balkon aus der vierten Etage.
Der "Balkon-Sturz" des 52-jährigen Mannes, der sich am Montagmorgen im Traubenweg ereignete, ist somit zum größten Teil aufgeklärt. "Er erlag wenig später seinen Verletzungen im Brustkorb", sagt Böhme. Zu psychischen Auffälligkeiten beim Sohn konnte die Staatsanwaltschaft noch nichts Näheres sagen.
"Er hat anders gesprochen und war irgendwie anders", erzählt Venske. Alleine schon deswegen, weil der Sohn des Erstochenen nie von zu Hause ausgezogen sei. Freunde habe er wohl auch wenige gehabt, vermutet er. Der Nachbar sah den Sohn eher selten draußen rumlaufen. Seit dem Tod der Mutter sei er dann "aufgetaut". Vater und Sohn gingen zusammen spazieren oder einkaufen.
Als die Mutter noch lebte, sei der Sohn nur äußerst selten außerhalb der Wohnung im vierten Stock gewesen. "Guten Tag Herr Venske, wir machen heute einen Ausflug nach Görlitz", habe der Mann wie ein aufgeregtes Kind dem Nachbarn einmal freudig erzählt. Das sei für die Familie wie ein "großes Ereignis" gewesen.
Seit 42 Jahren kannte eine Nachbarin im Wohnblock den 83-jährigen Toten. "Ich kann mir da auch keinen Reim drauf machen", sagt sie über die Tat. Als unauffällig beschreibt die Seniorin die Familie. "Sie haben ruhig und isoliert gelebt", berichtet die Nachbarin. Sie habe nie etwas von einem Streit mitbekommen.
Ob der 52-Jährige einem Beruf nachging, ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch unklar. "Als ich am Montagmorgen vom Balkon-Sturz hörte, dachte ich an eine Verzweiflungstat", sagt Venske. Weil der Sohn ja den Vater tot aufgefunden haben könnte. "An Mord hätte ich nie gedacht", ist der Nachbar schockiert.
Telefonische Notfallseelsorge: 0800 1110111, 0800 1110222, für Kinder und Jugendliche unter der 0800-1110333. Die Anrufe sind kostenfrei.