Diese Geschichte verbreitete sich rasend schnell in den sozialen Netzwerken: Zwei unbekannte Männer würden vor der Schule am Botanischen Garten in Frankfurt (Oder) Kinder ansprechen, um sie ins Auto zu locken. Der Beitrag wurde vielfach geteilt. Das Problem hierbei: Der Polizeidirektion Ost war auf Nachfrage dazu gar nichts bekannt.
Das Verbreiten derartiger Gerüchte trage „zu großer Verunsicherung unter Schülern, Eltern und auch Pädagogen“ bei – insbesondere, wenn sich direkt betroffene Personen nicht bei der Polizei meldeten, kritisiert Liane Scheller. Sie arbeitet bei der Polizeidirektion Ost im Bereich Prävention.
Liane Scheller arbeitet als Beamtin im Bereich Prävention bei der Polizeidirektion Ost. Mit Spielfigur Bodo warnt sie Kinder in Schulen und Kitas auf spielerische Art und Weise vor Gefahren.
Liane Scheller arbeitet als Beamtin im Bereich Prävention bei der Polizeidirektion Ost. Mit Spielfigur Bodo warnt sie Kinder in Schulen und Kitas auf spielerische Art und Weise vor Gefahren.
© Foto: Polizei
Die Polizei sehe sich gelegentlich mit derartigen Geschichten konfrontiert und würde ihnen nachgehen. „Häufig bestätigen sich Ausgangsinformationen nicht. Es ist der Polizei aber auch schon gelungen, Personen zu ermitteln, die zum Teil unbedarfte Kinder angesprochen haben.“ Eine Statistik, wie viele dieser Fälle es in den letzten Jahren in der Region gegeben hat, hat die Polizei nicht.
Neben dem Prüfen von Informationen und Feststellen von Identitäten betreibt die Polizeidirektion Ost Präventionsarbeit. Dabei gehe es darum, die Kinder auf mögliche Situationen vorzubereiten, so Scheller. Und zwar weniger mit Abwehr- oder Selbstverteidigungstechniken als vielmehr mit dem Lehren richtiger Verhaltensweisen.

Polizeibeamte rät Kindern, skeptisch im Umgang mit Fremden zu sein

Präventionsbeamte wie Liane Scheller und Mario Rengers kontaktieren Schulen in Ostbrandenburg und bieten entsprechende Präventionsveranstaltungen an. „Ein ganz wesentlicher Punkt ist, dass den Kindern deutlich gemacht wird, dass sie ehrlich sein müssen und Situationen so schildern, wie diese sich objektiv zugetragen haben“, sagt Scheller. „Es sollte nichts erzählt oder erfunden werden, um unter Umständen Konflikten mit den Eltern vorzubeugen.“ Den Kindern werde außerdem vermittelt, dass sie skeptisch im Umgang mit Fremden sein sollten. Äußerlichkeiten ließen keine Rückschlüsse auf Ziele und Absichten einer Person zu. Dazu würden sie bei den Veranstaltungen „mit denkbaren Situationen und Geschichten konfrontiert, um diese besser durchschauen und erkennen zu können“.
Die Beamten erklären den Schülern, wie sie sich verhalten sollen, wenn sich ihnen jemand in einer Weise nähert, die ihnen unangenehm erscheint und die sie ablehnen. „Sie werden ermutigt, dies klar und laut zu artikulieren. Sie sollen den Unbekannten laut mit ‚Sie‘ ansprechen, beispielsweise ‚Ich will das nicht! Lassen Sie mich in Ruhe!‘“ Planlos wegzurennen und sich zu verstecken ist nach Angaben von Liane Scheller der falsche Weg, da sich die Kinder so den Blicken von möglichen Zeugen und Helfern entziehen könnten. Die bessere Option sei es für sie, in nahe Geschäfte oder zu Eltern anderer Kinder zu laufen. Dort könne Hilfe eingefordert und die Polizei gerufen werden.

„Kinder sollten keine Opferhaltung einnehmen“

Generell gelte: „Die Kinder sollen sich nicht klein machen und keine ‚Opferhaltung‘ einnehmen, sondern möglichst laut und selbstbewusst auftreten“, ohne dabei frech oder beleidigend zu sein. Wichtig sei auch, Abstand zu den unbekannten Personen zu halten. Damit soll ein direkter Zugriff verhindert werden. Den Kindern rät sie, gegenüber den Eltern keine Geheimnisse diesbezüglich zu haben, sondern ihnen Situationen, die sie erlebt haben und die sie beschäftigen, anzuvertrauen. „Eltern sollten sich in solchen Fällen an die Polizei wenden, um uns zu ermöglichen, die Geschehnisse aufzuhellen.“
Selbstverteidigungskurse für Kinder bewertet die Polizei übrigens positiv. Das stelle eine Ergänzung zur Präventions-Schulung dar und stärke das Selbstbewusstsein der Kinder, argumentiert Scheller. Doch allzu viel zur Gefahrenabwehr sollten Eltern da nicht erwarten. Frank Mierow trainiert im Polizeisportverein Frankfurt (Oder) Kinder ab 4-6 Jahren im Judo. Er gibt zu bedenken, dass Kinder Erwachsenen körperlich unterlegen seien. Selbstverteidigungs- oder Kampfsportkurse für Kinder – egal ob Boxen, Judo oder Karate – seien deshalb kein Schutz vor körperlichen Übergriffen dieser Art. Bei seinem Training stünden eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung, Sporttreiben und das Erlernen von Normen und Respekt im Vordergrund.

Frankfurt (Oder)

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