"Also ich glaube, alle aus meiner Generation haben hier ihre ersten Filme gesehen. Es wäre schade, wenn das Gebäude wegkommt", sagt Markus Strache-Zakharyia, Jahrgang 1980 und gebürtiger Frankfurter, über das Alte Kino. Strache-Zakharyia war einer der Darsteller bei dem Theaterstück "Hotel zu den 2 Welten", das der Franzose Philippe Tibbal im Jahr 2010 vor dem ehemaligen Lichtspieltheater inszenierte. Und er hat nicht nur deswegen, sondern auch wegen zahlreicher Erinnerungen aus der Kindheit und Jugend wie so viele Frankfurter eine ganz besondere Beziehung zu dem markanten Haus.
Die eingangs erwähnten Sätze sagt Markus Strache-Zakharyia in einem Kurzfilm, der derzeit im Internet-Videokanal Youtube zu sehen ist: Es ist eine anderthalbminütige Ankündigung für ein Filmprojekt, mit dem die vier Viadrina-Studenten Michael Goy, Franziska Schubert, Dagmar Dammann und Diana Walter die Geschichte des Hauses nacherzählen wollen. Sie sind Denkmalpfleger und Restauratoren, wohnen in Potsdam, Berlin und Italien und sind im berufsbegleitenden Masterstudiengang Schutz Europäischer Kulturgüter eingeschrieben. Zweimal zwei Wochen pro Semester studieren sie innerhalb ihrer Ausbildung, die einem Fernstudium gleicht, in Frankfurt und leben dann in einem Studentenwohnheim in Slubice.
Im September 2013 begannen sie unter der Leitung von Prof. Paul Zalewski mit den ersten Projekt-Recherchen. Am Ende soll eine Internetseite stehen, auf der fünf Kurzfilme in einem Erzählstück zusammen mit begleitenden Texten, historischen Fotos, Zeichnungen und Postkarten aus Archiven einen Gesamtblick auf die wechselvolle Geschichte des Gebäudes ermöglichen sollen."Wir wollen das Kino anhand der persönlichen Erinnerungen verschiedener Frankfurter porträtieren", erklärt Michael Goy. Aus einer Liste von 40 Bürgern der Stadt, von denen die Studenten durch ihre Vorstudien wussten, dass diese mit dem Kino in irgendeiner Form verbunden sind, wurden zehn Interviewpartner ausgewählt, darunter beispielsweise Kinogänger von damals, der Fassadenbauer des Hauses und Menschen, die sich in Initiativen für den Erhalt des Gebäudes engagierten.
Aus dem Videomaterial, drei Interviews wurden direkt am Kino gedreht, schneiden die Studenten fünf Filme, die zwischen drei und sechs Minuten lang sind. "Jeder Film beleuchtet das Kino thematisch von einer anderen Seite", sagt Dagmar Dammann. Der eine stellt die Architektur in den Vordergrund, in einem anderen berichten die Interviewten über selbst erlebte Ereignisse wie Kinofilme, Jugendweihen und Geburtstagsfeiern. Es gibt aber auch einen Film, der sich mit der Zukunft des Hauses beschäftigt, und zwar derart, dass Menschen über ihre Träume und Hoffnungen für das Alte Kino sprechen.
Der Idee von Oberbürgermeister Martin Wilke, dort eine Kunsthalle zu eröffnen, können die Studenten viel abgewinnen, wie sie sagen. "Aber eigentlich wollen wir uns da mit Bewertungen heraushalten", betont Michael Goy. "Unsere Idee war, mit verschiedenen Erinnerungen den Wert des Hauses zu bewahren - unabhängig davon, was dann später tatsächlich mit ihm passiert", erklärt Dagmar Dammann. Ziel sei es, das Gebäude und seine Bedeutung einer breiten Öffentlichkeit zugängig zu machen.
Die Projekt-Seite im Internet soll spätestens am 1. Mai fertig sein, genau 60 Jahre nach Eröffnung des Kinos. Den Vorab-Film gibt es unter www.youtube.com, Stichwort "Lichtspielgeschichten". Weitere Infos: https://www.facebook.com/Lichtspielgeschichten
Vier Viadrina-Studenten wollen im Rahmen eines Filmprojekts die wechselvolle Geschichte des Hauses dokumentieren.