Vier Monate vor dem angekündigten Aus von First Solar in Frankfurt werden auch international Investoren gesucht. Das könnte Chancen für die Mitarbeiter bieten. "Unsere Facharbeiter können alles produzieren", wirbt Geschäftsführer Burghard von Westerholt für die Belegschaft.
Es bleibe dabei, dass die Produktion Ende Dezember eingestellt werde, stellt von Westerholt klar. Rund drei Viertel der Beschäftigten stehen zu diesem Termin vor der Wahl, ob sie für weitere neun Monate in einer Auffanggesellschaft bleiben oder sofort ihren Dienst bei First Solar quittieren. 25 bis 30 Prozent der Beschäftigten würden dann noch bis Ende April für den Abbau der Produktionsanlagen gebraucht, kündigt der Geschäftsführer an. Diese nach Sozialplan-Kriterien ausgewählten Mitarbeiter könnten anschließend in die Auffanggesellschaft wechseln.
Die Entscheidung, den Produktionsstandort aufzugeben, sei "für Frankfurt eine Katastrophe", sagt der Geschäftsführer. Allerdings versuche das Unternehmen "mit sehr starker Unterstützung von Stadt, Land und Bund" alles, um Investoren für die Fabriken zu gewinnen. Indes sei eine internationale Agentur mit der Vermarktung beauftragt worden. "Es laufen tatsächlich Gespräche", sagt Burghard von Westerholt. Konkret sei jedoch noch nichts, auch zu Branchen könne er sich mit Rücksicht auf die Verhandlungspartner nicht äußern. Nach seiner Einschätzung stünden die Chancen jedoch nicht schlecht. "Wir haben hier eine 1-a-Fabrik und eine sehr gute Mannschaft an Bord", wirbt von Westerholt für Standort und Mitarbeiter. "Ich weiß, dass unsere Facharbeiter alles produzieren können, vorausgesetzt, es handelt sich um etwas Anspruchsvolles." Das sei für Investoren ein entscheidendes Kriterium.
Die Stimmung in der Belegschaft wertet der Geschäftsführer als "sehr professionell". Die Produktion laufe mit sehr guten Leistungsdaten. Was jetzt in den Frankfurter Fabriken hergestellt wird, werde auch verkauft, hob von Westerholt hervor. "Aber für 2013 reicht es nicht mehr." Die Entscheidung zum Aus für Frankfurt hänge mit dem weitgehenden Rückzug von First Solar aus Europa zusammen, erläutert von Westerholt. Nach Einschätzung des Unternehmens sei die Modulproduktion in Europa zu sehr von Subventionen abhängig, die, wie sich jetzt zeige, nicht nachhaltig sind. Auf diese Weise sei kein langfristig stabiles Geschäft zu machen. First Solar wolle sich deshalb langfristig als Anbieter von Solarkraftwerken profilieren, die in den USA und Malaysia produziert werden. Interessante Märkte seien China, Indonesien und Indien, nennt der Geschäftsführer Beispiele.
Seinen Angaben zufolge haben bisher rund 130 der rund 1200 Mitarbeiter gekündigt. "Wir freuen uns für jeden, der einen neuen Job gefunden hat", sagt von Westerholt. Aber es zeige sich auch jetzt, wie wichtig ein guter Umgang miteinander sei. "So eine Unternehmenskultur hilft nicht nur in guten Zeiten. Viele Mitarbeiter sagen uns jetzt: ,Wir wollen das hier vernünftig zu Ende bringen.'"