Zum ersten Mal organisierte die Agentur für Arbeit Frankfurt am Donnerstag eine Informationsveranstaltung, bei der sich Flüchtlinge unter 24 Jahren und Arbeitgeber aus Ostbrandenburg näher kommen sollten. "Es geht hauptsächlich erst einmal um den Austausch und um zu zeigen, was haben wir für Arbeitsmöglichkeiten anzubieten haben", betont Jochen Freyer, Leiter der Agentur für Arbeit. Die größte Herausforderung sei und bleibe dabei die Sprache.
"Wir suchen hier Fachkräfte für morgen und übermorgen", sagt Ralf Hilburger vom Berufsbildungszentrum von Acelor Mittal in Eisenhüttenstadt. Von falschen Vorstellungen, die vielleicht einige der Migranten haben, will er nicht sprechen. "Es fehlen natürlich realistische Vorstellungen. Woher sollten sie auch kommen. Denn die Migranten können ja das deutsche Berufsausbildungssystem nicht kennen", sagt Ralf Hilburger.
Isiyas Tsigay und Kibrom Orubay sehen sich an diesem Nachmittag bei den anwesenden Arbeitgebern um. Interessiert lauschen sie den Ausführungen, die Mulaw Gebreselassee für sie übersetzt. "Es sind andere Vorausetzungen, die hier von uns gefordert werden, als in unseren Heimatländern", sagt Isiyas Tsigay. "Hier werden ausgebildete und qualifizierte Menschen gesucht. Als wir hergekommen sind, haben wir gedacht, dass es mit einer Arbeit schneller geht. Aber wir akzeptieren natürlich das Ausbildungssystem, auch wenn man drei Jahre lernen muss", erklärt er.
Ein wenig Deutsch spricht der junge Mann auch schon. Eine der Grundvoraussetzungen, wie Ute Dreher vom Qualifizierungszentrum der Wirtschaft Eisenhüttenstadt sagt. "Ab nächsten Monat bieten wir berufsorientierte Kurse an, um die Flüchtlinge sowohl sprachlich als auch kulturell so weit vorzubereiten, damit sie dann eine Ausbildung beginnen können". Allein schon Arbeitssicherheitsbedingungen setzen voraus, dass sie gut Deutsch verstehen müssen, ergänzt Ralf Hilburger.
Deutschkenntnisse sind sicherlich auch in den Gastroküchen wichtig. Allerdings hat Jürgen Limprecht, Inhaber des Restaurants am Kleistpark, auch schon Erfahrung mit jungen Menschen, die der Sprache nicht mächtig sind. Gerade hat er für sechs Wochen einen französischen Kochazubi zu Gast. Möglicherweise kommt in den nächsten Wochen noch ein Praktikant aus Syrien hinzu. "Eigentlich sind wir voll besetzt", sagt der Gastronom. Allerdings gehe es ihm auch um die menschliche Seite. "Der Mann, der zu uns kommen will, ist Familienvater und Konditor", erzählt er. Seine bisherige Ausbildung werde in Deutschland allerdings nicht anerkannt. "Ich will ihm trotzdem eine Chance bieten", sagt Limprecht. Im Restaurant am Kleistpark könnte er eine Kochausbildung absolvieren, wenn es mit dem Praktikum klappen sollte. Deutsch müsste der junge Mann dann allerdings auch schnell lernen.
"Die Leute sind sehr motiviert, allerdings ist das Sprachproblem das größte", sagt Manuela Prochnow vom Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit. In Euphorie verfallen will keiner nach diesem Tag. Allerdings empfand Steven Reichert, Personalreferent der Baufirma NCC aus Fürstenwalde, die Zeit der Gespräche als sehr angenehm, wie er sagt. "Wir konnten zeigen, was wir anbieten, aber auch erklären, welche Vorausetzungen nötig sind", betont er.
Die Agentur für Arbeit hat für Arbeitgeber und Arbeitssuchende eine Informationsveranstaltung organisiert.