Der Vorsitzende der SVV Wolfgang Neumann (Die Linke) hatte die Stadtvertreter in der Sitzung dazu eingeladen, an diesem Freitag, 8. Mai, vor dem sowjetischen Ehrenmal still an den 75. Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus zu erinnern. Daraufhin beantragte Wilko Möller die Eröffnung einer Debatte, was ihm auch gewährt wurde. In seinem Redebeitrag erklärte der Rechtsaußen-Politiker anschließend, warum der 8. Mai für ihn kein Tag der Befreiung sei. "Vielmehr ist ein Teil des deutschen Volkes in die nächste Diktatur katapultiert worden", so Wilko Möller. Zwar sei es für die Juden in Deutschland eine Befreiung gewesen, räumte der Parlamentarier ein. Die AfD wolle an diesem Tag aber trotzdem auf dem Zentralfriedhof auch den deutschen Soldaten gedenken, die im Krieg gefallen seien. Bereits während Möllers Rede hatte es aus den Reihen der Fraktionen – die AfD ausgenommen – Protestrufe gegeben.
Ludwig Patzelt kritisierte das Statement Möllers nun als einen "Versuch, ein Forum für die Verbreitung  geschichtsrevisionistischer Ansichten zu finden".
Ende eines Albtraums
"Der Tag, an dem die nationalsozialistische Diktatur in Deutschland beendet wurde, ist ein Tag der Befreiung, und das ganz unabhängig davon, welche Kriegsfolgen noch ausstanden und welche Formen der Diktatur im Osten folgen sollten", stellt der CDU-Politiker klar. "Folter, Arbeitslager und Vernichtung von Menschenleben waren für die Nazis etwas ganz Normales. Allein die Befreiung von solch einem System würde einen Feiertag mehr als rechtfertigen".
Patzelt fragt Möller, ob er Freiheit davon abhängig mache, inwieweit man damals persönlich betroffen gewesen wäre. "Erkennen Sie nicht, was dahinter steht, wenn die Regierung meines Heimatlandes eine Volksvernichtung in diesem Umfang, dieser Perfidität und dieser eiskalten Konsequenz plant und umsetzt?" Doch als wäre dies nicht genug, "haben die Nazis das deutsche Volk auch noch in einen totalen Krieg geschickt, in den sich immer klarer abzeichnenden Untergang". Jeder Tag Naziherrschaft mehr hätte auch auf deutscher Seite weitere sinnlose Todesfälle bedeutet. "Das interessiert Sie aber gar nicht, Ihnen gehen lediglich die Flüchtlingstrecks aus Ostpreußen ans Herz", entrüstet sich Patzelt.
Der 8. Mai habe den schlimmsten Albtraum beendet, den Deutschland je hatte. Patzelt wird deutlich: "Ich halte es eigentlich für unvorstellbar, dass Sie im Nationalsozialismus etwas sehen, das den Deutschen 1945 verloren gegangen ist." Wer den Nationalsozialismus nicht ablehnen könne, "dem werde ich persönlich meine Zustimmung zu Rederechten und Debattenanträgen zukünftig verweigern."
Einen offenen Widerspruch verfasste auch Jan Augustyniak. "Nicht erst seit der revisionistischen Rede von Wilko Möller […], droht unser Geschichtsbild überschattet zu werden vom Mythos der Unschuld des deutschen Frontsoldaten, sowie der Relativierung und Leugnung der Verbrechen des deutschen NS-Staat im zweiten Weltkrieg." Am 8. Mai sei ganz Europa von der Geißel des Faschismus befreit worden; in erster Linie die überlebenden Verfolgten und Widerstandskämpfer sowie Millionen Zwangsarbeiter. Die Europäer heute verdankten den Siegern des 8. Mai "die Grundlagen unseres Lebens in Frieden, Freiheit und Vielfalt", erklärt er. In Zeiten, in denen immer mehr Rechtspopulisten Gehör fänden, müsse jeder Demokrat für Vernunft, Solidarität, Frieden und Demokratie eintreten. "Das ist, was die Erinnerung an den 8. Mai von uns fordert", so Augustyniak.