Um 18.30 Uhr holte die isrealische Delegation am Eingangstor die blau-weiße Landesflagge ein. Ein gemeinsames Lied und viele tränenreiche Umarmungen später stiegen die Teilnehmer aus Kadima Zoran in die Busse, dann ging es ab zum Flughafen.
Die Jugendlichen aus der kleinen, zwischen dem Mittelmeer und dem Westjordanland gelegene Stadt waren am Donnerstagabend die ersten, die sich aus dem Sommercamp verabschiedeten. Die anderen Teilnehmer reisten am Freitagmorgen ab.
Zwei Wochen lang lebten und arbeiteten 103 junge Menschen aus neun Ländern am Helenesee zusammen. Das einende Element: Frankfurt. Vertreten waren neben Kadima Zoran auch die Partnerstädte Nimes (Frankreich), Vratsa (Bulgarien), Vantaa (Finnland), Witebsk (Weißrussland), Gorzow und Slubice (Polen) sowie Heilbronn. Weitere Gruppen kamen aus Cava de'Tirreni (Italien) und Sumy (Ukraine), beides Partnerstädte von Gorzow.
Der Finne Toni Laulajainen war bereits zum sechsten Mal dabei. "Ich fühle mich hier einfach wie zu Hause", sagte der 19-Jährige, der die verbindende Atmosphäre hervorhob. Auch für Niv Prager aus Israel war es "eine ganz bedeutende Erfahrung", erzählte er. Was den 24-Jährigen am meisten bewegte: "Die Länderabende, bei denen wir viel über die Kultur der anderen gelernt haben".
Eher abseits des Ablaufplanes waren auch die Kriege in Gaza und der Ostukraine bei den Jugendlichen ein Thema. Allerdings "haben wir versucht, diese Konflikte aus dem Programm außen vor zu lassen, um nicht eine Gruppe besonders hervorzuheben", erklärte Manuela Demel vom Organisationsteam und Projektmanagerin im Eurocamp.
Mit Workshops zur Zukunft hatte das Camp begonnen. Es folgten ein Sommerfest, Ausflüge nach Gorzow, Berlin, Sachsenhausen sowie weitere Workshops zu landestypischen Themen. Die Ergebnisse wurden am Donnerstagabend gezeigt - von stimmungsvollen Gesangssoli aus Weißrussland bis hin zu mehrsprachigen Theatersketchen.
"Es ist alles hervorragend gelaufen", freute sich Robert Köppen, Objektleiter des Eurocamps. Sein Team sorgte für die Unterbringung, Verpflegung und die Absicherung des Programms. Inhaltlich vorbereitet hatte das Camp ein deutsch-polnisches Kompetenzteam. Julia Gretschko aus Eisenhüttenstadt gehörte dazu. "Die Gruppe hat sich einmal im Monat getroffen und unter anderem die Workshops geplant", sagte sie. Für die 18-Jährige war es die vierte Teilnahme. Mit einigen Leuten von damals stehe sie immer noch in Kontakt, "über Facebook geht das ganz gut."
Das erste Sommercamp gab es 1999. Heute ist es das bedeutendste städtepartnerschaftliche Projekt Frankfurts, die enge Kooperation mit Slubice einmal außen vorgelassen. Die Kosten dafür tragen hauptsächlich Stadt und EU.
Doch die Zukunft des Camps sei ungewiss, sagt Manuela Demel, die für die Linke auch im Stadtparlament sitzt. "In der Verwaltung fehlt jemand, die ausschließlich für die Partnerstädte zuständig ist", findet Demel. Mario Quast ist zwar auch Referent für internationale Beziehungen, seine Hauptaufgabe aber sei die Wirtschaftsförderung. "Die Partnerstädte brauchen eine Kontaktperson". Andernfalls bestehe die Gefahr, dass die bislang so lebendigen Partnerschaften bald nur noch auf dem Papier existieren.