Nach Prognosen des Rostocker Wimes-Instituts wird Frankfurt im Jahr 2025 noch 54 660 Einwohner haben - rund 4580 weniger als jetzt. Der Bevölkerungsverlust treffe viele Orte in der Bundesrepublik, sagte Barbara Genschow am Dienstag bei der Vorstellung der Studie im Rathaus. "Damit steht Frankfurt nicht allein da."
Der vorausgesagte Rückgang liegt bei rund 7,7 Prozent. In der Gruppe der 26- bis 64-Jährigen - die Wissenschaftler sprechen vom wirtschaftlich aktivsten Alter - fällt er mit 22,7 Prozent deutlich höher aus.
Frankfurts Beigeordneter Markus Derling (CDU) ist erstens froh, dass die Einwohnerzahl offensichtlich weniger stark gesunken ist als noch vor vier Jahren vorausgesagt. 2009 gingen die Forscher davon aus, dass es 2020 noch 53 661 Frankfurter gibt, jetzt rechnet man mit rund 3000 Einwohnern mehr. Was Derling noch hervorhebt: Die Wissenschaftler sehen Gestaltungsspielraum für die Stadtentwicklung. "Die Frage ist doch: Wollen wir das so laufen lassen oder gegensteuern?", sagte der Baudezernent. "Wenn wir nichts tun, werden die Zahlen schlechter." Es müsse der Stadt gelingen, "durch Ansiedlungsaktivitäten, Arbeitsplätze in Größenordnungen zurückzugewinnen". Nötig sei auch "ein adäquates, zielgerichtetes Wohnungsangebot, um Einfluss auf die Zahlen zu nehmen".
Dabei hat Derling die Einpendler vor Augen, die in Frankfurt ihre Arbeit haben. Bestärkt wird er darin durch die Wimes-Erkenntnisse. Frankfurt könne mit seiner guten Infrastruktur überzeugen, sagte Barbara Genschow. Als Beispiele dafür nannte sie eine sehr gute medizinische Versorgung und Angebote in Handel, Dienstleistungen und Verwaltung. Damit könne man werben, das sei auch ein Zuwanderungsmotiv, hob Barbara Genschow hervor. Es gebe auch einen guten Überblick über Wohnbauflächen im Stadtgebiet, da sei Frankfurt weiter als manche andere Stadt, in der Wimes sich mit der Bevölkerungsentwicklung befasst habe. "Wir müssen auch bei den Bildungsangeboten punkten", betonte Derling und verwies darauf, dass mit einer weiteren Steigerung der Schülerzahlen zu rechnen sei und dass gute Bildungsmöglichkeiten ein Ansiedlungskriterium für junge Familien seien.
Ganz konkret ist die Bevölkerungsprognose Grundlage für die Fortschreibung des Integrierten Stadtverwaltungskonzeptes (Insek), an der die Verwaltung gerade arbeitet. Besonders genau hat Wimes deshalb die darin ausgewiesenen Stadtumbaugebiete und Gebiete mit Entwicklungspontenzial analysiert. Dabei ist auch deutlich geworden, dass etwa dem Stadtteil Nord bis zum Jahr 2025 ein weiterer Einwohnerverlust von 770 Menschen droht, das sind den Angaben zufolge rund 19 Prozent. Für West und das Stadtzentrum dagegen wird mit mehr Einwohnern gerechnet.