Der Grünen-Politiker war ersten Erkenntnissen von Polizei und Verwaltung zufolge am Montag auf dem Weg zur Arbeit zusammengebrochen. Passanten fanden ihn gegen 9.30 Uhr neben seinem Fahrrad auf dem Gehweg in der Lennéstraße und alarmierten den Notruf. Rettungskräfte brachten Jörg Gleisenstein anschließend ins Krankenhaus, "wo er trotz aller ärztlicher Bemühungen verstarb", wie die Polizeidirektion Ost bestätigte. Von einem Verkehrsunfall werde nach derzeitigen Erkenntnissen nicht ausgegangen.
Bereits am Montagabend war deshalb der Ausschuss für Wirtschaft, Arbeit und Finanzen der Stadtverordnetenversammlung kurzfristig und zunächst ohne Begründung abgesagt worden. Am Dienstagmorgen informierte Oberbürgermeister René Wilke dann die städtischen Amtsleiter in einer außerplanmäßigen Sitzung über den Todesfall.
René Wilke reagierte bestürzt. In der Medienmitteilung vom Dienstagvormittag heißt es: "Mein Freund Jörg Gleisenstein lebt nicht mehr. Die Stadt Frankfurt (Oder) verliert damit einen Dezernenten, der seinen Fachbereich mit hoher persönlicher Glaubwürdigkeit und Zielstrebigkeit leitete. Die Stadtverwaltung verliert einen Kollegen, der fachlich und menschlich sowie mit enormem Fleiß stets überzeugte. Mit seiner inneren Ruhe, seinem feinen Humor und seiner großen Empathie war Jörg Gleisenstein ein Mann, der viel Gutes einzubringen hatte. Wir, die Verwaltungsspitze, sind tief betroffen, erschrocken, in Trauer. Unsere Gedanken sind bei Jörg Gleisenstein, der viel zu früh aus unserer Mitte gerissen wurde, bei seinen Angehörigen, seinen Freunden, bei allen, die diesen feinen Menschen kannten und mochten."
Auch der Kreisverband von Bündnis 90/Die Grünen zeigte sich in einem ersten Statement geschockt: "Gestern erreichte uns die unfassbare Nachricht, dass unser Freund Jörg Gleisenstein, der Bündnisgrüne Dezernent für Stadtentwicklung, Bauen und Umwelt, überraschend verstorben ist. Wir sind erschüttert und ringen immer noch um Fassung. Unsere Gedanken sind auch bei seiner Familie."
Der studierte Raumplaner Jörg Gleisenstein war von 2008 bis 2018 Stadtverordneter für die Grünen, ehe er im Sommer 2018 als Dezernent berufen wurde. Zuletzt gehörte er zudem der Gruppe an, die in Potsdam für die Grünen den Koalitionsvertrag der neuen rot-schwarz-grünen Landesregierung mit aushandelte.