MOZ-Leser Ulf Lieberwirth war voller Vorfreude. Mit Begeisterung hatten er und seine Familie den Bestseller "Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand" von Jonas Jonasson gelesen. "Als bekannt wurde, dass die Verfilmung am 20. März in die Kinos kommt, war unsere Vorfreude riesig. Auch die Rezension in der MOZ-Kulturbeilage ließ uns hoffen. Um so enttäuschter waren wir als wir feststellen mussten, dass in unserem Frankfurter CineStar dieser Streifen nicht auf dem Spielplan stand", berichtet Lieberwirth.
An der Kinokasse hätte er nur unwissendes Schulterzucken als Reaktion bekommen. "Nebenbei gesagt, laufen andere Filme - auf deutlich tieferem Niveau - mitunter dort sechs bis acht Wochen, das manchmal vor fünf bis zehn Zuschauern." Für ihn heiße das nun wohl, nach Berlin zu fahren und sich den Film dort anzuschauen. "Frankfurt gehen dadurch sicher 100 bis 150 Euro Kaufkraft verloren. Wenn man schon dort ist, geht man da auch shoppen und Abendbrot essen", kritisiert Lieberwirth.
Beim Frankfurter CineStar kann man die Kritik zum Teil verstehen. "Wir zeigen in der Tat überwiegend Blockbuster - also Filme für die breite Masse. Allerdings haben wir darauf kaum Einfluss und sind in erster Linie von den Verleihern abhängig. Diese entscheiden, welchem Kino sie ihre Kopien geben", erklärt CineStar-Theaterleiterin Rita Fago. Ansonsten ist bei der Zentrale in Lübeck eine eigene Abteilung dafür zuständig, was in den einzelnen Kinos läuft.
Doch natürlich können die Besucher Wünsche äußern. "Wir sind für Rückmeldungen oder Vorschläge immer dankbar. Beispielsweise auf unserer Internetseite kann man diese äußern, sie werden dann von den Verantwortlichen gerne aufgenommen", berichtet Rita Fago.
Darüber hinaus hat sie für Menschen, die auch Filme abseits des Mainstreams sehen wollen, einen weiteren Tipp. "Seit der Eröffnung unseres Kinos vor 16 Jahren haben wir die Reihe ,Cinemathek' etabliert. Immer montags zeigen wir dort einen alternativen Film, der im normalen Programm nicht läuft. Die Nachfrage ist sehr groß, zuletzt war der Streifen ,Sein letztes Rennen' mit Dieter Hallervorden sogar ausverkauft", erzählt sie. Neben dem alternativen Programm gibt es einen weiteren Vorteil: Der Eintrittspreis von fünf Euro fällt im Vergleich recht gering aus. Darüber hinaus gibt es regelmäßige Live-Übertragungen aus der Metropolitan Opera New York.
Als weitere Alternative gibt es den gemeinnützigen Verein "Kleines Kino". "Da wir alle ehrenamtlich tätig sind und Fördermittel vom Filmverband Brandenburg erhalten, können wir uns den Luxus leisten und nichtkommerzielle Filme zeigen", berichtet Vorstandmitglied und Kassenwart Günter Bönisch. Das Kleine Kino feierte 1993 Premiere und hatte seitdem 49 448 Besucher, was einem Durchschnitt von 88 Gästen pro Veranstaltung entspricht - Tendenz steigend. Regelmäßig gibt es nach der Vorstellung Diskussionen mit dem Regisseur. Der Eintritt beträgt auch hier fünf Euro (ermäßigt drei Euro).
Was gespielt wird, suchen die Mitglieder des Kleinen Kinos gemeinsam aus. "Leider können wir selten aktuelle Filme zeigen, da die Verleiher diese zunächst für größere Kinos verwenden. Aber wir sind mit unserer Auswahl durchaus zufrieden und haben mittlerweile ein treues Stammpublikum", erzählt Bönisch und weist zudem auf das 3. Open-Air auf dem Ziegenwerder vom 19. bis 23. August hin.