Kämmerin Claudia Possardt hatte in einem Prüfauftrag angeregt, den städtischen Zuschuss für den ÖPNV um 2,8 Millionen Euro zu senken. Dies sollte ein Beitrag zur Haushaltskonsolidierung sein. Die Stadt beauftragte eine Beratungsfirma mit diesem Prüfauftrag. Die Gutachter von civity Management Consultants halten dieses Ziel jedoch für unrealistisch. Sie sehen allenfalls Chancen, unter anderem durch Effizienzsteigerungen im Werkstattbereich zwischen 2016 und 2018 jährlich 150 000 Euro bei der Städtischen Verkehrsgesellschaft (SVF) einzusparen. Das Defizit der SVF lag 2012 bei etwa fünf Millionen Euro.
Die Gutachter sehen weder in der Einstellung des Angebots in schwachen Verkehrszeiten noch in Einschränkungen des Angebots in der Hauptverkehrszeit Möglichkeiten für nennenswerte Kostensenkungen. Sie gehen davon aus, dass bei Beibehaltung ausreichender Mobilitätsangebote die Zuschüsse für den ÖPNV langfristig sogar steigen werden. Ursachen dafür seien steigende Energie- und Personalkosten, weniger Fahrgäste sowie die Umrüstung aller Fahrzeuge auf Barrierefreiheit bis 2022. Stadt und Eigentümer würden derzeit jedoch meist noch ein sinkendes Defizit erwarten. Die Gutachter warnen vor einer solchen Annahme.
Sie gehen in ihrer Planung davon aus, dass die Straßenbahn weiterhin Hauptverkehrsmittel in der Stadt ist und Busse zur Ergänzung dienen. Damit bestätigen sie auch einen einstimmigen Beschluss der Stadtverordneten aus der vergangenen Legislaturperiode. Eine vollständige Systemumstellung von der Bahn zum Bus würde rund 60 Millionen Euro Mehrkosten verursachen, heißt es.
Dringend müssten laut Gutachter die Linien mit Slubice und den Landkreisen Märkisch-Oderland sowie Oder-Spree besser vernetzt werden. Unter anderem müssten parallele Linien zwischen Regional- und Stadtverkehr abgebaut und der Bahnhof als Schnittstelle für das Umsteigen genutzt werden.
Die Gutachter empfehlen, die Erneuerung der Fahrzeugflotte aufzuschieben und statt neuen Fahrzeugen zunächst Generalreparaturen den Vorzug zu geben. Demnach will die SVF 2016 bis 2018 je Jahr nur eine Straßenbahn neu anschaffen. Das würde dazu führen, dass das Ziel der Barrierefreiheit in allen Fahrzeugen nicht bis 2022 umgesetzt werden könnte.
Der Beigeordnete Markus Derling sieht in dem Gutachten eine Grundlage, einen Beitrag zur Haushaltskonsolidierung zu leisten. "Wir werden die Anregungen umsetzen", betont er. Die Stadt soll dem Vernehmen nach für das Gutachten 70 000 Euro gezahlt haben, für weitere sich daraus ergebende Beratungsleistungen nochmals 110 000 Euro.