Fast 100 Hektar groß ist das Logistikzentrum im weißrussischen Prilesie und auf 500 Hektar Fläche ausgebaut werden soll das in Kaluga bei Moskau. Mit beiden Zentren hat Frankfurt Verträge zur Kooperation bei der Standortwerbung geschlossen. "Sie sind weit genug von Frankfurt weg, um keine Konkurrenz für uns darzustellen", sagt Markus Kappes, Geschäftsführer des Investorcenters Ostbrandenburg. Andererseits könne Frankfurt von der Größe der osteuropäischen Zentren profitieren.
Zehn Jahre nach der Osterweiterung der Europäischen Union würden die Anrainer-Staaten ohnehin verstärkt ins Blickfeld rücken, sagt Kappes. Große Märkte seien dort weiter zu erschließen. Anknüpfungspunkt für Frankfurt sind die Autobahn und die Bahnlinie: Allein über die Autobahn sind im vergangenen Jahr nach Angaben des ICOB 2,98 Millionen Lkw über zwölf Tonnen in beide Richtungen an Frankfurt vorbeigefahren.
Bezahlbare Flächen an Autobahnen seien in Wirtschaftszentren wie Poznan mittlerweile "Goldstaub", hat die ICOB-Logistikexpertin Sybille Rehse festgestellt. Darin liege für Frankfurt die Chance, mit Flächen an der A12 bei Logistikfirmen zu punkten. Die stehen unter zunehmendem Kostendruck. Je mehr Transportkapazität ungenutzt bleibt, die Lkw also nicht voll beladen durch die Gegend fahren, um so weniger rentabel wirtschaftet die Firma. Deshalb setzt das ICOB auch neue Schwerpunkte bei der Standortwerbung um Logistikunternehmen. Ähnlich wie es am Containerbahnhof in der Georg-Richter-Straße schon praktiziert wird, könnten auch für den Verkehr auf der Straße in Frankfurt Ladungen zum Weitertransport neu zusammengestellt werden.
Nach Angaben der Stadtverwaltung sind derzeit in Frankfurt 26 Gewerbe - von insgesamt 5175 - in der Logistikbranche gemeldet. Elf von ihnen seien schon 2010 am Markt gewesen, berichtet Michael Eitrich, zuständiger Abteilungsleiter in der Stadtverwaltung. Wie es von der Agentur für Arbeit heißt, sind 966 Frankfurter arbeitslos gemeldet, die zuletzt in dieser Branche gearbeitet haben. Das seien ausgebildete wie angelernte Kräfte, berichtet Sprecherin Clarissa Schmidt.
Der Arbeitskräftebedarf bei Neuansiedlungen im Logistikbereich sei zumindest anfangs nicht besonders hoch, berichtet ICOB-Chef Kappes. "Wir fangen klein an." Aber Wachstum sei angesichts der Prognosen gut vorstellbar.
Drei weißrussische Logistikunternehmen haben sich nach ICOB-Angaben in letzter Zeit in Frankfurt angesiedelt. Sybille Rehse weist auf eine zweite Stärke der Region hin: Es gebe profilierte Logistiker, die durch den Abzug von First Solar freie Kapazitäten haben.
Ein Branchentreffen bereitet das ICOB gemeinsam mit dem Industrie- und Handelskammer für den 4. und 5. Juni vor. 80 bis 100 Teilnehmer werden zur Europäischen Logistikkonferenz unter Schirmherrschaft von Brandenburgs Infrastrukturminister Jörg Vogelsänger (SPD)
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