Frankfurt und Slubice haben einen Vertrag über die gegenseitige Lieferung von Fernwärme ab 1. Januar 2015 ausgehandelt. Das erfuhr die Märkische Oderzeitung aus deutsch-polnischen Verhandlungskreisen. Offiziell soll dies Mitte April öffentlich bekannt gemacht werden.
Die Stadtwerke Frankfurt und der Slubicer Wärmeversorger SEC wollen ab 1. Januar 2015 ihre Fernwärme-Netze koppeln. Einen entsprechenden Liefervertrag mit einer Laufzeit von 15 Jahren und einer Option für weitere fünf Jahre haben beide Seiten ausgehandelt, erfuhr die Märkische Oderzeitung aus deutsch-polnischen Verhandlungskreisen. Er bedarf seitens Frankfurts noch der Zustimmung des Aufsichtsrates der Stadtwerke. Dieser Vertrag sieht ein Sonderkündigungsrecht für beide Seiten bis 30. Oktober 2013 vor. Hintergrund hierfür ist, dass bis Ende Oktober die Genehmigungen für die Baumaßnahmen vorliegen müssen. Wenn nicht, hat jede Seite die Möglichkeit, den Vertrag noch zu kündigen.
Das schrumpfende Frankfurt verfügt über ein modernes, aber viel zu großes Heizkraftwerk. Die Nachbarstadt Slubice stößt mit dem eigenen Heizwerk aber an Kapazitätsgrenzen. Beide Seiten vereinbarten nun die Abnahme von jeweils 16 000 Megawattstunden zu unterschiedlichen Zeiten im Jahr. Im Sommer wollen die Stadtwerke Slubicer Kapazitäten nutzen. Profitabel ist das für die Stadtwerke, weil der Sommerbetrieb des Frankfurter Heizkraftwerkes und des Heizwerkes Nord unwirtschaftlich ist. Teils müsste Wärme sogar heruntergekühlt werden. Durch die Kooperation mit Slubice könnte das Frankfurter Netz effektiver gefahren werden. Umgekehrt könnten in Slubice langfristig mehr Haushalte an das Fernwärmenetz angeschlossen werden. Die Frankfurter Stadtwerke produzieren pro Jahr rund 220 000 Megawattstunden Fernwärme.
Das Investitionsvolumen der Stadtwerke soll sich auf 2,8 Millionen Euro belaufen. Die Kosten auf der polnischen Seite trägt der Slubicer Wärmeversorger. Bedingung für die Kooperation war, dass die Kooperation wirtschaftlich ist, hatte Stadtwerke-Chef Jörg Thiem vor Beginn der Verhandlungen erklärt. Dies soll nun der Fall sein. Diese Investition soll nicht zu erhöhten Preisen für die Kunden führen. Insgesamt haben die deutsche und polnische Seite den Gesamtabnahmepreis auf der Grundlage eines üblichen Preis-Bildungsmechanismus über 15 Jahre verhandelt.
Nach der Unterzeichnung des Wärmeabsatz-Vertrages im April sollen die Planungen forciert werden. Ab Februar 2014 erfolgen demnach die Bauarbeiten. 30 Zentimeter starke Fernwärmeleitungsrohre sollen dann nicht sichtbar unterhalb der Stadtbrücke verlegt werden. Der Bau der Fernwärmeleitung hat auch Einfluss auf die Erneuerung der Straße am westlichen Teil der Stadtbrücke. Diese Baumaßnahmen werden sich nach Abriss der Grenzanlagen dann um ein Jahr später als bisher geplant verzögern. Damit will man verhindern, dass später nicht nochmal die Straße aufgerissen werden muss.