Die Richterin merkte erneut an, was sie schon im Mai kritisiert hatte: First Solar habe Hennig zwar eine Gefährdung des Produktionsablaufs vorgeworden und damit die außerordentliche Kündigung begründet. Worin diese Gefährdung bestanden haben soll, sei aber nicht konkret dargelegt worden.
Der Vorwurf: Hennig soll am Tag nach Bekanntgabe der Standortschließung in der Produktion Kollegen angesprochen haben, die dadurch von ihrer Arbeit abgelenkt worden seien. Die Wartungsarbeiten, die während der fraglichen Zeit liefen, unterlägen strengsten Sicherheitsbestimmungen. Deshalb müssten auch Gespräche mit den Beschäftigten unterbleiben, die die Wartung lediglich überwachten.
"Möglicherweise wäre es angemessener gewesen, diese Gespräche im Pausenraum zu führen", sagte die Richterin dazu. "Darüber kann man ernsthaft diskutieren. Aber das reicht uns als ernsthafte arbeitsvertragliche Pflichtverletzung nicht aus." Damit lasse sich also noch keine Kündigung rechtfertigen. Vor allem sei dem Gericht unverständlich, weshalb die Mitarbeiter, die mit Hennig sprachen, dann nicht einmal abgemahnt wurden. "Wir wollen nicht, dass jemand arbeitsrechtlich belangt wird", machte sie deutlich. Es gehe aber darum, das Verhalten Hennigs zu bewerten und ob es die fristlose Kündigung rechtfertige.
Den Einwurf von First Solar, der Betriebsrat sei zuvor schon zweimal abgemahnt worden und es gebe überdies einen Zusammenhang zwischen einer zeitlichen Verzögerung der Produktionsabläufe am fraglichen Tag und den Gesprächen Hennigs, wollte die Richterin so nicht gelten lassen. "Wir können diesen schwerwiegenden Vorwurf nicht nachvollziehen, weil wir nicht wissen, was da Schwerwiegendes passiert sein soll."
Doch vor der gerichtlichen Entscheidung steht im Arbeitsgerichtsverfahren der Wille zur gütlichen Einigung. First Solar bot Hennig die Zahlung der ihm laut Sozialplan zustehenden Abfindung von rund 24 000 Euro brutto an, die er im Falle einer fristlosen Kündigung nicht erhalten hätte. Nach einer Bedenkpause lehnte er diese Offerte ab.
Indes läuft am Arbeitsgericht noch ein Verfahren um Hennigs Mitarbeit im Betriebsrat von First Solar. Die anderen Mitglieder der Arbeitnehmervertretung fordern seinen Ausschluss aus dem Gremium. Hennig habe immer wieder "Front gemacht", heißt es zur Begründung. Im Eilverfahren scheiterte der Betriebsrat damit, der nächste Termin ist für den 22. August geplant.