In der Frühe des 24. August 1924 hatte es Fotografenmeister Oskar Brauer eilig. Zum Glück herrschte – anders als am Tag zuvor – schönstes Sommerwetter und so eilte er an jenem Sonntag von seinem Atelier zum Hohenzollernplatz.
Auf dem von der Polizeiverwaltung für den öffentlichen Verkehr gesperrten Platz sollte ab 10.30 Uhr die Einweihung des neuen Denkmals für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Angehörigen des einstigen Grenadier-Regiments „Prinz Carl von Preußen“ Nr. 12 erfolgen.

Aufnahmen für die Frankfurter Oder Zeitung

Es galt einen guten Platz zu bekommen, von wo er nah am Geschehen war. Er wollte seine Aufnahmen der Redaktion der „Frankfurter Oder-Zeitung“ anbieten, wie auch selbst eine ganze Serie herstellen und verkaufen. Interessenten gab es genug, allein mehr als 1 500 „Zwölfer“, ehemalige Angehörige des Regiments, waren mit ihren Familien aus Berlin und der ganzen Provinz Brandenburg zur Einweihung nach Frankfurt gekommen.
Auch in Frankfurt selbst sah er genügend Interessenten, lebte doch gerade hier der „Geist“ des 1919 aufgelösten Regiments weiter. Vom Denkmal redete man in Frankfurt schon seit 1921, als der hiesige Verein der ehem. Prinz Carl Grenadiere die „Brudervereine“ von Berlin, Cottbus, Forst, Guben, Sommerfeld, Sorau und Spremberg nach Frankfurt einlud und ihnen vorschlug, hier ein Denkmal für die Gefallenen des Regiments zu errichten.

Hochdekorierte Generäle in der Stadt zu Gast

Eine, wenn auch nicht ganz komplette Serie konnte das Frankfurter Stadtarchiv im Jahre 2009 erwerben. Die zehn der mindestens zwölf nummerierten Fotografien zeigen den gesamten Ablauf der Denkmaleinweihung. Etliche ordensgeschmückte Generäle – unter ihnen auch Generalleutnant z. D. Friedrich von Ditfurth oder der hochdekorierte General der Infanterie z. D. Adolf von Oven – sind auf den Fotografien zu erkennen.  Unweit der Generäle ist Oskar Prinz von Preußen zu sehen, der zusammen mit seiner Frau und zwei seiner vier Kinder nach Frankfurt gekommen war.
Die Denkmalweihe begann mit dem Einzug der Fahnenträger, die sich an den Seiten des schwarz-weiß gestreift umhüllten Denkmals aufstellten. Der ehemalige Divisionspfarrer Jäkel hielt die Weiherede. Nachdem die Hülle des Denkmals gefallen war, übergab General von Oven, der einst als Oberst von 1902 bis 1904 das Regiment kommandierte, das Denkmal in die Obhut der Stadt Frankfurt.
Zu den Weiherednern am 24. August 1924 gehörte auch der damalige Oberbürgermeister Paul Trautmann.
Zu den Weiherednern am 24. August 1924 gehörte auch der damalige Oberbürgermeister Paul Trautmann.
© Foto: Oskar Brauer/Stadtarchiv Frankfurt (Oder)
Nun war es an Dr. Paul Trautmann das Wort zu ergreifen. Der Oberbürgermeister würdigte das Regiment, das seit 1820 mit seinem I. Bataillon und seit 1881 in seiner gesamten Stärke in Frankfurt stationiert war und gedachte der im Weltkrieg „in unwandelbarer Treue zu Staat und Reich“ gefallenen Regimentsangehörigen.
Im Namen der gesamten Bürgerschaft ließ er als erster einen Kranz am Denkmal niederlegen, dem alsbald weitere folgten. Den Abschluss der Weihe-Redner bildete General Lueder, letzter Kommandeur des Regiments. Danach marschierten die „Zwölfer“ am Denkmal vorbei, durch die von Zuschauern dicht umsäumte Fürstenwalder Straße in ihre einstige Kaserne (heute Universität August-Bebel-Straße) zum geplanten „General-Appell“.
In seiner Rede hatte der Oberbürgermeister auch dem Künstler des Denkmals, dem hiesigen Architekten Otto Peter gedankt. Sein Denkmalentwurf wurde vom Bildhauer Georg Fürstenberg aus hartem Muschelkalk aus Bayern ausgearbeitet.

Die Figuren wirkten wie ein Stoßtrupp nach Osten

Die Figuren des Denkmals waren nicht einzeln zu sehen, sondern sollten in ihrer Gesamtheit, die einzelnen Figuren als „Typen“ betrachtet werden.  Der „ohne Zaudern für König und Vaterland in den Krieg ziehende Berufssoldat“, der „besonnene Landwehrmann“ und der „jugendliche Kriegsfreiwillige“ waren gemeint.  Wenn man auch in der Gruppe keine kriegerische Handlung erblicken sollte, so wirkte das Denkmal in seiner Kompaktheit und Ausrichtung doch wie der Ansturm von mit Stahlhelm versehenen Soldaten eines Stoßtrupps nach Osten, was sicher viele Frankfurter angesichts der Folgen des Versailler Vertrages damals beifällig aufnahmen.
Das Denkmal war auf einem Platz entstanden, der lange abseits der Stadt lag. Ursprünglich befand sich hier die Tonabbaugrube der alten Magistratsziegelei. Man erreichte sie vom Stadttor aus über den Ziegeleiweg, unsere heutige Heilbronner Straße. Der eigentliche Hauptverkehrsweg bog noch bis in die späten 1830 Jahre in der Höhe des heutigen ASB-Gesundheitszentrums davon ab und führte im Bogen über den späteren Stiftsplatz in Richtung Fürstenwalde.

Jahrzehntelang landeten in der Wolfskute Mist und Müll

Mitte der 1810er Jahre scheint die Grube aufgegeben zu sein, man wies die Wolfskute, wie die Grube bezeichnet wurde, den Frankfurtern zur Entsorgung von Müll und Mist zu. Ende der 1870 Jahre war die Grube schließlich soweit gefüllt, dass die Stadt den Platz mit einem Bretterzaun umgeben und als Lagerplätze für Holz und Kohle verpachten konnte. In dieser Zeit war der Platz längst in den Mittelpunkt gerückt. Durch den neu entstandenen Stiftsplatz führte inzwischen der Weg nach Fürstenwalde über den ehemaligen Ziegeleiweg.
Als dann noch 1882 der Architekt Ernst Wersich sich anschickte, auf seiner nördlich davon gelegenen Ziegelei eine neue Straße – die Hohenzollernstraße – zu bebauen, stieg das öffentliche Interesse an der Wolfskute. 1901 diskutierte man die Frage, was mit dem Platz passieren sollte. Sollte er mit Villen bebaut, als Gartenanlage parzelliert, oder sollten hier Kinderspielplätze und ein Tennisplatz eingerichtet werden?
Der Hohenzollernplatz in Frankfurt (Oder) um 1907. Heute befindet sich hier unter anderem das Kleist Forum.
Der Hohenzollernplatz in Frankfurt (Oder) um 1907. Heute befindet sich hier unter anderem das Kleist Forum.
© Foto: Schenker Bildpostkarte/Stadtarchiv Frankfurt (Oder)
Nachdem – wider Erwarten – die Stadtverordneten 1902 einer nochmaligen Verlängerung der Pachtverträge zustimmten, beschlossen sie endlich im Jahr 1905, den nun als Hohenzollernplatz bezeichnete Platz für 16.000 Mark aus den Überschüssen der Städtischen Sparkasse als Schmuckplatz herzurichten. Der Plan dazu kam vom Friedhofs-Inspektor Max Lange, dem Chef der Frankfurter Friedhofsverwaltung.
Der Platz in Form eines Geländedreiecks mit der Spitze zum Kinderkrankenhaus wurde mit symmetrisch angeordneten Wegen ausgestattet und mit Linden, Rotdorn- und Ahornbäumen bepflanzt. Der Platz erhielt eine Gas-Beleuchtung und bald auch eine Trinkhalle. Zwei Jahrzehnte später wurde im westlichen Rasenoval, auf einem großen gemauerten Sockel, das Gefallenen-Denkmal aufgestellt.
Der Hohenzollernplatz mit dem Gefallenendenkmal für das Grenadier-Regiment Nr. 12. Das Bild stammt aus dem Jahr 1928, vier Jahre nach der Einweihung.
Der Hohenzollernplatz mit dem Gefallenendenkmal für das Grenadier-Regiment Nr. 12. Das Bild stammt aus dem Jahr 1928, vier Jahre nach der Einweihung.
© Foto: Stadtarchiv Frankfurt (Oder)
Anders als die für die Metallgewinnung in der NS-Zeit abgebauten Denkmäler überdauerte das Zwölfer-Denkmal den Krieg.  Als der Magistrat Ende August 1946 beschloss, den Namen der Straße in Rudolf-Breitscheid-Straße umzuändern, war auch das Ende des Denkmals gekommen. Es wurde in große Stücke zerschlagen, vom Sockel gezogen und in den davor gelegenen, während der Festungszeit angelegten und nun aufzufüllenden Feuerlöschteich versenkt. Übrig blieb der Sockel, von dem im Oktober 1946 – als auf Befehl des Alliierten Kontrollrates die Erfassung und Beseitigung der militärischen und nazistischen Denkmäler erfolgte – noch die vier Relieftafeln entfernt wurden.  
Unmittelbar nach dem 11. September 1948, als die Stadtverordneten beschlossen, den Platznamen in Platz der Einheit umzuändern, ließ der Rat der Stadt auch noch den Sockel beseitigen.  Beim Abriss fand man ein Konvolut Papiere, darunter ein Spendenaufruf, die gedruckte Festfolge der Einweihung und eine Regimentsgeschichte. Nachdem die Dokumente einige Zeit der Witterung ausgesetzt waren, übergab man sie im Juli 1949 dem Stadtarchiv.

Es gab Pläne für ein Bärengehege auf dem Platz

Was sollte nun mit dem Platz geschehen? Anfang 1956 bestand der Plan im Nationalen Aufbauwerk, auf dem Platz ein Bärengehege für zwei bis drei Bären zu errichten. Doch manche Frankfurter sahen den „neuen Hauptanziehungspunkt unserer Bezirksstadt“ skeptisch und so war der Plan im Oktober 1956 schon wieder Geschichte und damit 100.000 DM und 75 Tonnen Zement eingespart.
Wie sich Wilhelm Neumann, der damalige Abteilungsleiter Aufbau des Rates der Stadt später erinnerte, musste um 1957 wegen Feuerbrand-Pilzbefall die alte Rotdorn-Reihe zur Rudolf-Breitscheid-Straße beseitigt und auch auf dem Platz selbst der Bäume rigoros zurückgeschnitten werden. Fortan wurde der Platz zu Marktzwecken genutzt, wozu die Konsumgenossenschaft 1971 eine 24 Meter breite Aluminiumhalle mit acht offenen Ständen als zentralen Obst- und Gemüsemarkt errichten ließ. So sehr sich die Frankfurter über die am 29. September 1971 eröffnete Halle freuten, so bedauerte damals mancher den Standort der Halle in dieser gründerzeitlichen Parkanlage. 

2001 eröffnete hier das Kleist Forum

Ähnliches geschah auch in neuerster Zeit, als im Vorfeld des neuen Kongress- und Veranstaltungsgebäudes Bürgerinitiativen für einen anderen Standort stritten. Das dann behutsam in den Platz eingefügte und am 1. März 2001 eröffnete Gebäude der Messe- und Veranstaltungs GmbH, das Kleist Forum, ist inzwischen tatsächlich zu einem Hauptanziehungspunkt der Stadt geworden.
2001 eröffnete das Kleist Forum der Messe- und Veranstaltungs GmbH am heutigen Platz der Einheit – der frühere Hohenzollernplatz.
2001 eröffnete das Kleist Forum der Messe- und Veranstaltungs GmbH am heutigen Platz der Einheit – der frühere Hohenzollernplatz.
© Foto: Heinz Köhler
Fragen wir uns noch, was aus dem 1946 beseitigten Denkmal geworden ist. 1991 ging die MOZ auf Leserwunsch dieser Frage nach und veröffentlichte einen Bericht eines Zeitzeugen. Nach dem darauf der hiesige Kreisverband des Reichsbundes der Kriegs- und Wehrdienstopfer, Behinderten, Sozialrentner und Hinterbliebenen die Ausgrabung und Neuaufstellung angeregt hatte, beschäftigte sich verschiedene städtische Gremien mit dieser Frage. Da man nicht die Absicht hatte, das demontierte Kriegerdenkmal wieder aufzustellen, geriet es erneut in Vergessenheit.  
Als 1998 der Munitionsbergungsdienst den Platz für das künftige Veranstaltungsgebäude absuchte, fand sich in vier Metern Tiefe ein großes Stück des einstigen Denkmals. Es wurde gehoben. Ein Soldatenkopf des historischen Denkmals befindet sich heute in der ständigen Ausstellung des Museums Viadrina, der Rest lagert im Depot des Frankfurter Kultureigenbetriebes.