Buchstäblich hoch hinaus ging es am Weltkindertag für rund 30 Jungen und Mädchen am Holzmarkt. An die Uferpromenade zwischen Kleist-Museum und Kartoffelhaus hatten Frankfurts ehrenamtliche Kinderbeauftragte Jacqueline Eckardt, Wohnungswirtschaft (Wowi) und Stadtwerke eingeladen, um den jungen Ehrengästen dieses Tages ein nicht ganz alltägliches Angebot zu machen, das man augenzwinkernd als Riesenradfahrt mit Berufsberatung bezeichnen könnte. "Gondelgespräche" ist der Name, den die Initiatorin für das Format gefunden hat.
Im Riesenrad in 30 Metern Höhe über Frankfurt und der Oder sollen Kinder einen geschützten Raum finden, in dem sie offener reden und Erwachsenen Fragen zu ihren Professionen stellen können, wie Jacqueline Eckardt erklärt. Ganz nebenbei sorgen die luftige Höhe und die Gondel-bedingten Abstände auch gleich für den Corona-Schutz.

Wowi und Stadtwerke übernehmen die Rechnung

Entstanden ist die Idee ziemlich spontan. Bei der Wiedereröffnung des Jugendclubs "Chillerstreet" kam Eckardt mit Antje Bodsch von den Stadtwerken ins Gespräch, mit dem Gedanken, jungen Frankfurtern am Weltkindertag trotz Corona etwas anzubieten. Mit dem Riesenrad, das am 20. September in der Stadt weilte, war der Ort gefunden. Als Partner der Aktionen erklärten sich die beiden kommunalen Unternehmen Stadtwerke und Wowi bereit, die Rechnung zu übernehmen.

Zahnarzt, Polizist, Bürgermeister

Am unkompliziertesten stellte sich heraus, Erwachsene mit interessanten Berufen zu finden, wie die Kinderbeauftragte und ihr Mitstreiter am Sonntag feststellten. Zu den angekündigten Berufen wie Zahnarzt, Polizist, Energieberater oder Musiklehrer gesellten sich spontan noch zahlreiche Gesprächspartner, die das Spektrum deutlich erweiterten. So ließ es sich Oberbürgermeister René Wilke nicht nehmen, bei einer der Gondeltouren über die Arbeit im Rathaus zu reden und sich den Fragen der Kinder zu stellen. Dazu kamen Pfarrerin Susanne Noack und Radioreporterin Dorett Kirmse, Wowi- und Stadtwerke-Mitarbeiter, die Besucher selbst und ein Kamera-Team des rbb, sodass sich zu Beginn der Aktion gegen 14 Uhr rund 50 Teilnehmer für die Gondelfahrten in kleinen Gruppen auf dem Holzmarkt tummelten.

Unterstützung vom Plüschtier

Die Frankfurterin Sarah Möller hatte auf Facebook von der Aktion erfahren und war mit Tochter Emely gekommen, um sich die Gelegenheit der Riesenradfahrt nicht entgehen zulassen. Manche der jungen Gondel-Gäste hatten neben Eltern oder Verwandten auch Verstärkung in Form eines Plüschtiers dabei. Hatte sich das Riesenrad aber erst einmal in Bewegung gesetzt, schien bei den meisten jungen Teilnehmern zwischen sieben und zwölf die Angst verflogen. Nur gelegentlich musste mit ein paar Fragen der kurze Dialog in Gang gebracht werden.
In der Gondel von Regine Hornig-Macht und ihrer Tochter Maria übernahm das Musikschulleiter Rainer Pfundstein. Nachdem der erste Berufswunsch der achtjährigen Maria schnell geklärt war –Süßigkeitenladenbesitzerin – nutzte Pfundstein das Hobby Lego als Überleitung, um von einem Musikschüler zu berichten, der aus seinem Lego-Hobby einen Beruf als Lego-Designer machen will. In einer anderen Gondel hatte Nachrichtenredakteurin Dorett Kirmse ein Mikrofon als Anschauungsobjekt mitgebracht, um die Jobbeschreibung etwas aufzupeppen.

Fortsetzung wird schon geplant

Pfarrerin Susanne Noack von der evangelischen Kirchengemeinde Frankfurt hatte es da schon etwas schwerer bei ihren beiden Touren: "Unter dem Beruf Pfarrerin konnten sich die Kinder zunächst wenig vorstellen", erzählt die 33-Jährige lachend. Ansonsten aber "lief alles super, das ist ein tolles Format". Das Ambiente des Riesenrades trägt dazu einiges bei, aber auch der Zeitrahmen der Fahrt hat für Susanne Noack einen gewissen Charme – "Dafür passiert viel mehr".
Das gute Fazit teilen auch Jacqueline Eckardt und ihre Partner. Während sich die Berufsvertreter und jungen Besucher längst zerstreut hatten, waren Eckardt und Antje Bodsch schon dabei, eine Folgeveranstaltung beim Stadtfest zu planen: "Dann vielleicht unter der Woche, sodass wir Schulklassen dazuholen können. Das wird dann noch größer."