Neun Parteien und Bündnisse haben es in die Stadtverordnetenversammlung (SVV) geschafft. Neben den drei großen Parteien (Linke 14 Sitze, CDU 11, SPD 9) und der Alternative für Deutschland (5) zählt dazu erstmals in Fraktionsstärke auch die Listenvereinigung aus Grünen und der BI Stadtentwicklung. Das Ergebnis: 3582 Stimmen, 6,2 Prozent, drei Sitze in der SVV.
"Darüber sind wir sehr froh. Das Zusammengehen mit der Bürgerinitiative hat sich gelohnt, sowohl vom Wahlergebnis als auch inhaltlich", sagt Jörg Gleisenstein von den Bündnisgrünen. 2008 waren er und Angelika Schneider von der BI noch als Einzelvertreter in das Stadtparlament eingezogen. Dort schlossen sie sich der Linken-Fraktion an. Nun schaffte es neben dem Diplom-Ingenieur Gleisenstein auch Parteikollegin Sahra Damus in die SVV. Angelika Schneider vertritt wieder die BI. "Dieses Ergebnis ist für uns ein Auftrag, in der neuen Stadtverordnetenversammlung für mehr Transparenz zu sorgen", sagt sie.
Das Thema Transparenz ist auch die große Schnittmenge von Grünen und BI mit der Piratenpartei. Sie trat in Frankfurt erstmals an, holte mit vier Kandidaten 1014 Stimmen (1,7 Prozent) und damit einen Sitz. Beide Seiten sind sich nach einem Treffen am Mittwochabend darüber einig, eine gemeinsame Fraktion zu bilden. "Einen gemeinsamen Namen müssen wir allerdings noch finden", sagt Jörg Gleisenstein. Reden wolle man zudem noch mit Renate Berthold vom Bürgerbündnis Freie Wähler. Sie ist nach Stimmenverlusten (1478 Stimmen und 2,54 Prozent gegenüber 2045 und 3,2 Prozent bei den Wahlen 2008) einzig verbliebene Vertreterin ihrer Liste.
"Schwierig wird es, was die Mehrheitsbildungen in der Stadtverordnetenversammlung betrifft. Das hängt stark von der SPD ab", so Gleisenstein. "Wir stehen für Gespräche bereit, wenn es um Inhalte geht."
"Hellauf begeistert", wie Sprecherin Angelika Meier sagt, sind die Piraten über ihren Erfolg. In das Stadtparlament geschafft hat es laut vorläufigem Wahlergebnis Steffen Kern. Er ist seit mehr als 20 Jahren Systemadministrator an der Viadrina. Die vielen Stimmen für die Piraten erklärt er so: "Wir haben hier in Frankfurt eine gute Basis mit vielen Aktiven, die uns unterstützen". Schriftlich fixiert sei die gemeinsame Fraktion mit den Grünen noch nicht. Schließlich müsse erst noch das amtliche Endergebnis abgewartet werden. "Aber die Tendenz geht dorthin", sagt auch Kern. Wichtig sei ihm, dass er als Einzelvertreter der Piraten in einer Fraktion erkennbar bleiben, vor allem bei den Themen Transparenz und Bürgerbeteiligung. Einsetzen will sich der SVV-Neuling dafür, dass so wenige Sitzungen wie möglich nichtöffentlich stattfinden, und für eine bessere Integration von Uni und Stadt.
Gestiegen in der Wählergunst ist die Bürgerinitiative Stadtumbau - von 1084 auf 1660 Stimmen. Allein Spitzenkandidat Josef Lenden holte 511 Stimmen. "Dahinter stehen sechs Jahre harte Arbeit und direkte Nähe zu den Bürgern", begründet Lenden. Mit wem er zusammenarbeiten werde, wisse er noch nicht. Die Tendenz gehe aber zur SPD.
Enttäuschend verlief die Kommunalwahl aus Sicht der FDP. Nur noch 1136 Stimmen bekamen die Liberalen, 1,95 Prozent. Bei den Wahlen 2008 waren es noch 7,5 Prozent. Den einzigen Sitz holte Wolfgang Mücke. "Das Ergebnis ist unter dem Strich mehr als ernüchternd." Er ist davon überzeugt, dass die Partei in Frankfurt eigentlich einen ganz guten Wahlkampf hingelegt hat. "Aber der Bundestrend, die allgemeine Unzufriedenheit mit der FDP sind bis zu uns durchgeschlagen." Eine leichte Trendumkehr hat er trotzdem schon ausgemacht. "Mit Christian Lindner und und Wolfgang Kubicki hat die Bundes-FDP wieder zwei an der Spitze, die auf die Leute zugehen können. Sie sind den Umschwung gut angegangen." Der pensionierte Kriminalbeamte strebt eine kleine Fraktion mit Einzelkandidaten an. Die Gespräche dazu laufen.