Die Grundschule am Botanischen Garten soll ab kommendem Schuljahr sportbetont werden. Noch hängt die Bewilligung des Profils an zusätzlich benötigtem Personal. Mit zwei zusätzlichen Stunden Sport und Arbeitsgemeinschaften will sich die Schule profilieren.
Fünf Stunden Sport pro Woche anstatt drei, Pflicht-Mitgliedschaft im Sportverein und spezielle Sportklassen ab der vierten Klasse. So sieht die Zukunft der Grundschule am Botanischen Garten aus, wenn es nach der kommissarischen Schulleiterin Beatrix Else geht. Die hat mit ihrem Kollegium eine Konzeption für die Umsetzung der sportbetonten Grundschule erarbeitet. Noch ist die Profilierung nicht bewilligt, doch die Schulleiterin ist optimistisch, dass die Zustimmung der Schulaufsicht bis zum Sommer kommt.
Das Engagement für die Spezialisierung hat unterschiedliche Gründe. Zum einen will sich die Grundschule von anderen Angeboten unterscheiden. Seit Eltern ihre Kinder unabhängig vom Wohnort einschulen lassen können, geht es auch an den Grundschulen um Profilierung. "Wir wollen uns positiv abheben", sagt Beatrix Else. Außerdem beobachten sie und ihre Sportlehrer die Folgen davon, dass sich Kinder immer weniger bewegen und häufig auch ungesunde Ernährung vorgelebt bekommen. "Es kommen mehr übergewichtige Kinder", stellt die Schulleiterin fest. Sportlehrerin Anja Bartz berichtet außerdem, dass auch einfache Übungen ihren Schülern zunehmend schwer fallen. "Es gibt große Defizite", sagt sie und zählt auf, was den Schülern heute Probleme bereitet: Eine Rolle um die Reckstange, Medizinball-Stoßen, Vorwärts- und Rückwärtsrollen, Balancieren, Werfen und Fangen. Schon jetzt haben die Schüler am Botanischen Garten mit vier Stunden Sport eine Stunde mehr als andere Brandenburger Grundschulkinder. "Noch eine Stunde mehr wäre toll", findet Anja Bartz.
Neben der Stundenanzahl ist auch der Schulalltag schon jetzt auf Sport ausgerichtet. In den Pausen werden die Kinder dazu angehalten, sich zu bewegen, selbst im Unterricht werden Bewegungselemente integriert. Ab dem kommenden Schuljahr wird außerdem die Mitgliedschaft in einem Sportverein verpflichtend. Alternativ können Schüler in der Schule Arbeitsgemeinschaften belegen. Teilweise werden die mit Kooperationspartnern wie dem Olympiastützpunkt und der Sportschule angeboten. Ab der vierten Klasse soll künftig außerdem eine Schwerpunkt-Klasse Sport entstehen. Auch weniger sportliche Schüler sollen profitieren. Deshalb belegen Lehrerinnen bereits Fortbildungen zum Sportförderunterricht für Kinder mit koordinativen und motorischen Defiziten.
Bei der nahe gelegenen Frankfurter Elite-Schule des Sports ist man sehr froh über die Entwicklung der Grundschule. "Es ist topp, dass sich die Kollegen aufgemacht haben, den gesamtgesellschaftlichen Nachholbedarf anzugehen", sagt der dortige Schulleiter Jürgen Behnke. "Wenn unser Ringertrainer die Grundschüler betreut, dann machen wir das nicht zum Selbstzweck", ergänzt er. Natürlich arbeite man darauf hin, dass die Grundschüler später and die Sportschule kämen.
Die Bewilligung der Sportbetonung hängt auch am zusätzlichen Personal, das für die Profilierung nötig wird. Auch die Belegung der Turnhalle birgt derzeit noch ein Problem. Fast durchgängig sind jeweils drei Klassen pro Stunde in der Halle. Neben Schülern vom Botanischen Garten nutzt auch die Evangelische Grundschule die Halle. Kommt der Schwerpunkt, muss sich das ändern, weiß Beatrix Else.