Grzegorz Trzmielewski leidet unter Seekrankeit. Dennoch zieht es ihn im Leben am meisten zu den Schiffen. Zehn Stück hat er schon gebaut – aus Streichhölzern. Er nutzt sie wie einen Rohstoff für alle schöpferischen Werke.
„Ich will so viel wie möglich selbst machen und das geht mit Streichhölzern am besten“, erklärt er. Jedes Streichholz nimmt er einzeln in die Hand und prüft dessen Stabilität, schneidet notfalls mit dem Skalpell nach. Die Schiffe müssen am Ende schwimmen können – das ist sein Anspruch. Vielleicht ein Weg, die Kontrolle zurückzuerlangen, die sein Körper ihm auf dem Wasser verweigert. Vielleicht auch ein Hobby, das sich verselbstständigt hat. In mehreren Museen Polens, von Kołobrzeg bis Bystrzyca Kłodzka, sind seine filigranen Modelle inzwischen zu bestaunen.

Tagsüber Bauarbeiter, abends Streichholzbauer

In seiner Wohnung in einem Mehrfamilienhaus im Słubicer Ortsteil Drzecin, wo der 22-Jährige auch groß geworden ist, stehen zwei Schiffe und eine Lokomotive, die gerade fertig wurde. Dass der schmale junge Mann ein kleines Bauunternehmen betreibt, ahnt man nicht. Nach der Arbeit auf dem Bau frönt er vier, fünf Stunden im Wohnzimmer seiner Leidenschaft. Auf einem kleinen Tisch liegt Kleber, auf dem Boden ein Haufen Streichhölzer, bestellt im Internet, ohne Zündkopf, daneben flache biegsame Elemente aus fein säuberlich zusammengeklebten Hölzern, dann geschliffen. Sie eignen sich für Segel und Decks. Lange hat Grzegorz Trzmielewski nach dem richtigen Kleber gesucht. Er muss auch das Holz wasserdicht machen.

Ein Dreimaster, der nie in Originalgröße gebaut wurde

Die Fenicja, ein Dreimaster mit ungewöhnlich nach unten geformtem Bug und Heck, ist ein Schiff, das nie in Originalgröße gebaut wurde. Trzmielewski entdeckte es mit 16 „irgendwo im Internet“, es gefiel ihm und er machte sich daran, anhand von drei Bildern eine Bauzeichnung anzufertigen, die Proportionen für das etwa 1:50 große Modell zu errechnen. „Meine Ausbildung und mein Beruf helfen mir natürlich dabei“, sagt er. Geduld und Genauigkeit brauche man bei beidem.
Dann baute er das Schiffsskelett, dann all die anderen Elemente, immer wieder musste er Sachen neu bauen, die nicht mehr passten – alles aus Streichholz, bis auf die LED-Beleuchtung des Decks und die Segelleinen. Zehn Monate baute er an der Fenicja, noch als Schüler. Schwimmen lässt er den 1,60 Meter langen Kreuzer auf den Seen der Umgebung, zeigt Beweisfotos.
Die Lokomotive steht im Original in Rzepin auf dem Bahnhof als denkmalgeschütztes Objekt. Im März 2019 begann er mit dem Bau, jedes Detail ist aus Streichholz, von der Schiene bis zur Kohle im angehängten Waggon.

In Kursen mit Kindern beginnt er oft mit einem kleinen Flugzeug

„Angefangen hat es, als ich sieben war“, erzählt Grzegorz Trzmielewski. „Ich habe mir aus Klötzen immer kleine Schiffe gebaut. Die waren natürlich unförmig. Später habe ich dann ein Scherenschnitt-Modell zusammengebaut. Das war auch schön, aber als ich es mit Streichhölzern umklebte, war es erst perfekt. Und dabei bin ich geblieben.“ Es gibt keine Schule des Streichholzbaus, alles war autodidaktisch. Das deutsche Kriegsschiff „Bismarck“ hat er auch gebaut, ein Auto für einen autoverrückten Freund, zum Schuljubiläum ein Modell seiner Bauschule in Gorzów, sogar Rosen und Armbanduhrgehäuse aus Streichholz. Eine halbe Million Streichhölzer hat er schon mit seinen Händen geprüft, schätzt er.
An der Lampe baumelt ein kleines Flugzeug. Damit lässt Trzmielewski den Funken des Streichholzzaubers auf andere überspringen. Schon öfter hat er Kurse für Kinder gegeben, zum Beispiel in einer Grundschule in der Nähe. „Natürlich kann man nichts Kompliziertes machen. Es muss etwas sein, dass sie nach ein paar Stunden fertig in den Händen halten. Gut geht es, wenn die Kinder selbst etwas zeichnen und es dann selbst zusammenbauen. Zum Beispiel so ein kleines Flugzeug.“

Die Friemel-Arbeit ist unbezahlbar, sie wird ein Hobby bleiben

Es gibt nicht viele mit einem solchen Hobby, in Polen kennt Trzmielewski noch von sieben. In letzter Zeit arbeitet er tatsächlich Bestellungen für Modelle ab. Es werde aber ein Hobby bleiben, sagt er. Denn die Friemel-Arbeit ist unbezahlbar. Für ein Schiff kann man etwa 2000 Złoty bekommen, 500 gehen für das Material weg, sagt er.
Sein Traum ist es, ganz ohne Vorlage einmal sein eigenes Schiff zu entwerfen. Könnte man nicht ein Schiff in Originalgröße aus Streichhölzern bauen? Ja, müsste im Prinzip möglich sein, sagt Trzmielewski: „Ich dachte daran, mir ein Kajak zu bauen.“