Am Sonnabend noch hatte der 29-jährige Hannes-Hähnel das Fußball-Kreisliga-Spiel zwischen Blau-Weiß Markendorf II und Turbine Finkenheerd geleitet. Einen Tag später setzte er beim 43. Berlin-Marathon selbst die Akzente. Und wie! Nach 2:25:01 Stunden hatte der Frankfurter die Ziellinie überquert - nur 45 Männer und drei Frauen waren schneller.
Damit ist die wochenlange Vorbereitung des Computer-Spezialisten voll aufgegangen. "Das ist für mich optimal gelaufen. Unter 2:26 Stunden wollte ich bleiben." 2:28:04 Stunden war bislang seine Bestmarke, gelaufen 2011 ebenfalls beim Berlin-Marathon. 2:26:42 Stunden, das war auch der Frankfurter Bezirksrekord. Darauf geschaut wird noch immer. Aufgestellt hatte diesen 1992 der Frankfurter Jürgen Holzäpfel. "Rekorde sind dazu da, gebrochen zu werden. Für mich war Hannes Hähnel der erste Anwärter, der aus dem ehemaligen Oderbezirk schneller laufen könnte", sagt der 59-jährige Holzäpfel.
Direkt verfolgt hatte der Inhaber eines Sportartikel-Geschäftes den Lauf nicht, am Sonntag hatte er einen Stand in Wolletz betreut. "Mich hatten am Sonntag einige informiert, dass mein Rekord gebrochen ist. Darauf dürften einige gewartet haben. Am Sonntag Abend habe ich mir dann die Ergebnisse angeschaut. Hannes Hähnel ist intelligent und bescheiden, er hat mit Jens Karras einen guten Trainer, konnte daher also in der Vorbereitung nicht viel falsch machen. Mit seinem flachen Kniehub läuft er die längeren Distanzen sehr ökonomisch. Seine 31 Minuten, die er im Sommer über zehn Kilometer erreichte, hat er sehr gut auf seine Marathonleistung umgesetzt", urteilt das in den 80-er und 90-er Jahren im Oderbezirk herausragende Lauf-Ass.
Der Berlin-Marathon hatte sich für Hannes Hähnel bereits im Vorfeld sehr gut angelassen. Da er fünf Wochen zuvor die sogenannte Generalprobe auf einem Teil dieser Strecke, den 8. StadtLauf Berlin im Halbmarathon nach 1:08:42 Stunden gewonnen hatte, durfte Hähnel im Block der Elite starten. "Nach ein, zwei Sekunden war ich an der Startlinie, ich hatte in der dritten Reihe gestanden", erklärt der Frankfurter. Aber was noch wichtiger ist, er hatte sofort Kontakt zu den besten weiblichen Starterinnen, die in etwa seine Zeit anstrebten und aufgrund ihrer Klasse den Marathon recht gleichmäßig absolvieren.
Die beiden ebenfalls von Karras betreuten Fabian Clarkson und der Deutsche Hindernis-Meister Hannes Liebach machten für die Japanerin Reia Iwade Tempo. Sie strebte 2:24 Stunden an und kam nach 2:28:16 Stunden als vierte Frau ins Ziel. "Ich bin vom Start weg bis etwa zur Hälfte in dieser Gruppe mitgelaufen. Das war zwar für meine Zielstellung von 2:26 Stunden etwas gewagt, aber im Nachhinein genau richtig", erklärt Hähnel. Obwohl es aus seinen Fünf-Kilometer-Splits nicht ersichtlich ist, die er in einem Kilometer-Tempo zwischen 3:23 und 3:30 Minuten absolvierte, habe er etwa zur Hälfte ein kleines Tief gehabt, als von hinten eine Afrikanerin in diese Gruppe lief und diese auseinanderfiel. "Auf der zweiten Hälfte war ich weitestgehend allein unterwegs, wobei ich immer noch den einen oder anderen Läufer überholen konnte, was für den Kopf gut ist. Ab Kilometer 36 wurde es dann wirklich immer härter, das Tempo hoch zu halten. Wobei sich der Zeitverlust mit 20 Sekunden auf den letzten fünf Kilometern in Grenzen hielt", berichtet Hähnel.
Für ihn war die Witterung mit 15 Grad Celsius am Start optimal. "Im Ziel dürften es drei, vier Grad mehr gewesen sein, für die etwas Langsameren wurde es vielleicht schon zu warm. Ich habe ab Kilometer 15 aller fünf Kilometer die isotonischen Getränke mitgenommen und dazu das Energy Gel bei Kilometer 28. Ab Kilometer 30 habe ich auch an jeder Wasserstelle aller zwei Kilometer zugegriffen. Ich langte mit beiden Händen zu, die Hälfte verschüttet man ja dabei."
Während Hannes Hähnel beim Marathon seine Muskulatur kaum merkte, sind einen Tag später die Oberschenkel schon etwas fest. "Noch verspüre ich keine Lust zu laufen. Ich werde aber am 15. Oktober beim Schlaubetalmarathon am Start stehen."
Nach 2:25:01 Stunden lief der 29-Jährige als 46. Mann über die Ziellinie beim Berlin- Marathon.