Von der Denkmalliste gestrichen wurde das Kießlinghaus nicht. Aber es ist Bewegung in die Debatte darüber gekommen, wie es mit dem geschützten Gebäude weiter gehen soll. Und das war es wohl auch, worum es Wolfgang Müller von der CDU mit seinem Antrag, der im Vorfeld viel Kritik provozierte, hauptsächlich ging.
Es sei Gefahr im Verzug, erklärte er. "Wenn ich sehe, wie sich der Dachfirst langsam nach unten neigt, dann kann ich nicht sagen, das juckt mich nicht", begründete der Diplom-Bauingenieur. Er habe den Stillstand nicht länger hinnehmen wollen. "Im Fokus meines Antrags steht die Beseitigung des ruinösen Zustandes. Das heißt: wir sind nach allen Seiten hin offen."
Vom ursprünglichen Antrag, den Oberbürgermeister damit zu beauftragen, das Haus von der Denkmalliste nehmen zu lassen, um damit einem Abriss den Weg zu ebnen, rückte Müller denn auch ab und brachte einen Änderungsantrag ein. Dessen Kernpunkte: Die Stadt solle endlich die Eigentumsverhältnisse klären, und, wenn der oder die Ansprechpartnerin denn endlich gefunden ist, ein Gutachten zur Standsicherheit einfordern. Gleichzeitig schlug er vor, das Thema im Stadtentwicklungsausschuss weiter zu diskutieren, um nach Lösungen, auch für eine Nachnutzung, zu suchen.
Baudezernent Markus Derling (CDU) ließ zu den erst genannten Punkten mit leicht ratloser Mine wissen: "Die Immobilie ist herrenlos". Nach der Wende wechselte das Kießlinghaus mehrfach den Besitzer, der letzte, eine Immobilienfirma, ging insolvent. Nach Abschluss des Verfahrens sei das Gebäude dann wieder an die Gesellschaft gegangen, doch die sei nicht mehr geschäftsfähig. "Für die öffentliche Hand gibt es im Moment keine Möglichkeit zu agieren." Dies sei eine Situation, erklärte Derling, "die ich so auch noch nicht erlebt habe."
Angelika Schneider (BI Stadtentwicklung) empfahl der Stadtverwaltung, sich anwaltlichen Beistand zu holen. Auch Josef Lenden (BI Stadtumbau) befand, dass es doch möglich sein müsse, auf dem Rechtsweg einen Notgeschäftsführer einsetzen zu lassen. Und Steffen Kern (Piratenpartei) brachte gar die Prüfung einer Enteignung ins Spiel. Schließlich verwiesen die Stadtverordneten sämtliche Anträge zu dem Thema, darunter Zusatzanträge sowohl des Oberbürgermeisters als auch der Linkenfraktion, in das Fachgremium.
Bereits vor Beginn der Sitzung hatten Mitglieder des Vereins "Denkmal Kießlinghaus" eine Protestaktion vor dem Kleist Forum organisiert. "Heute das Kießlinghaus, Morgen das Lichtspieltheater der Jugend, und übermorgen? Schützt das städtebauliche Erbe unserer Stadt Frankfurt (Oder)!", hieß es auf einem der Transparente. Später in der Einwohnerfragestunde machten sie noch einmal auf die besondere historische aber auch architektonische Bedeutung des Gebäudes aufmerksam und wollten wissen, was die Verwaltung für ihre Baudenkmale tue.
Der so herausgeforderte Markus Derling zählte anschließend beispielhaft ein halbes Dutzend bereits umgesetzter oder geplanter Projekte auf, wie etwa demnächst der Umbau der Bürgerschule oder die Sanierung des Rathauses. Beim Kießlinghaus jedoch sei, sagte er, "eine Lösung nicht über Nacht zu haben."