Es gehört wohl zu den bekanntesten Gebäuden in Frankfurt - das Gebäude an der Ecke Leipziger Straße/Große Müllroser Straße, in dem bis zum Sommer 1991 das polnische Nationalitätenrestaurant Polonia (als Nachfolger des 1962 eröffneten "Leipziger Garten") zum Speisen und zum Tanzen einlud. Seit 1992 steht es leer, verfiel über die Jahre immer weiter, wurde zum Schandfleck. Doch jetzt kommt wieder Leben in das Haus. Mitarbeiter der Zabel Gerüstbau GmbH aus Frankfurt haben zunächst die Außenfront eingerüstet und waren am Donnerstag dabei, auch auf der Innenhofseite ein Baugerüst aufzustellen. Mit dem Abriss des Daches beginnt dann in der kommenden Woche der Umbau.
Eigentümer des alten Polonia ist seit einigen Jahren Viktor Zdesenko, ein Berliner Geschäftsmann mit ukrainischen Wurzeln, der Immobilien bewirtschaftet und verwaltet und dem in Frankfurt auch zwei Mehrfamilienhäuser gehören. Er lässt das Gebäude jetzt komplett sanieren und zu einem Hostel- und Appartementhaus umbauen. "Wir werden dort 32 Zimmer und eine Suite schaffen", kündigt er gegenüber der MOZ an, "und im Erdgeschoss werden wir eine Ladengalerie errichten."
Diese Ladengalerie wird als gläserne Passage angelegt, die Läden werden sich also hinter großen Glasfronten befinden. Insgesamt sieben Kleingewerbeflächen können dort angemietet werden, beispielsweise für Frisiersalons oder Copyshops. Eine dieser Flächen ist bereits reserviert für ein Café und Bistro, in dem die Gäste des Hostels frühstücken können. Für alle anderen Gewerberäume sucht Viktor Zdesenko jetzt Mieter.
Im ersten Bauabschnitt werden das Dach saniert und das Dachgeschoss ausgebaut. "Alles muss erneuert werden, auch der Dachstuhl", informiert der Eigentümer. Fast zeitgleich lässt der Berliner, der seit mehr als 25 Jahren in Deutschland lebt, die Fassade sanieren und die Fenster austauschen. "Bis Weihnachten werden Dach, Dachgeschoss, Fassade und Fenster fertig sein", erklärt er. Der Innenausbau werde dann im nächsten Jahr etwas länger dauern. "Wir werden das sanierte Haus aber auf jeden Fall im kommenden Jahr eröffnen", versichert er.
Viktor Zdesenko hatte das alte Polonia schon vor ein paar Jahren sanieren wollen, musste sein Projekt dann aber überarbeiten. Die Baugenehmigung war durch die Stadtverwaltung bereits im Februar 2012 erteilt worden.
Mit dem Hostel bekommt Frankfurt erstmals seit der Wende (im heutigen Oderturm gab es zu DDR-Zeiten ein Jugendtourist-Hotel) wieder eine Herberge mit Jugendherbergscharakter. Hostels sind mit preiswerten Mehrbettzimmern ausgestattet. Zielgruppe sind Individualreisende, die günstig übernachten möchten - auch Rucksacktouristen genannt. Das neue Hostel könnte die Stadt als Reiseziel für junge Leute attraktiver machen.