Einer, der gerade die Einlasskontrolle passiert ist der 17-jährige Maciej Jakubek, der in Tracht mit seiner Tanzgruppe "Bohema" auftreten wird. "Ich bin stolz" sagt er und strahlt übers ganze Gesicht.
Einer, der demonstrativ hinter dem Gitter stehen bleibt, ist Jerzy, ein älterer Anwohner. Auf dem Basar betreibt er einen Imbiss. "Wessen Präsident ist das? Meiner nicht.", sagt er. Jerzy hat am Vormittag bereits im Rathaus angerufen und sich über die Flaggensymbolik beschwert, berichtet er mit Blick auf die drei Masten am Kreisverkehr. Dort wehen die Europa-Fahne, die Słubicer und die rot-weiße Flagge. Bis zu seinem Anruf hätten dort nur polnische Flaggen geflattert. "Wir leben hier gut. Haben uns mit Frankfurt konsolidiert. Und PiS will uns das kaputtmachen", glaubt er.
Bei ihm steht Mariusz Dubacki im T-Shirt mit der Aufschrift "Konstytucja" –Verfassung, dem Slogan der Proteste gegen die Gerichtsreform der Regierung. "Idiot" habe ihn gerade jemand beschimpft. Der Immobilienvermittler hatte auf Facebook aufgerufen, den Präsidenten "so zu begrüßen, wie er es verdient". Nämlich in jenen T-Shirts, die Duda an die Verfassung erinnern sollen, an deren Bruch sich der Präsident für viele mit der teilweisen Billigung der Gerichtsreform beteiligt hat. 145 Menschen hatten sich online für die Aktion interessiert. Dubacki bleibt aber der einzige, der in jenem T-Shirt zu sehen ist.
Bürgermeister Olejniczak spielt in der Begrüßung die Doppelstadtkarte voll aus, zählt Erfolge auf vom Bus 983 über die Fernwärmeleitung über die Brücke bis zu den Euro-Kitas. Auch Andrzej Duda weiß, wo er sich befindet. Er bedankt sich nicht nur bei den Kämpfern der polnischen Aufstände, sondern auch deutlich bei jenen, die sich in der deutsch-polnischen Zusammenarbeit engagieren. Der Satz, der ihm allgemeinen Applaus beschert, lautet: "Ich will, dass man hier so gut lebt, wie in Deutschland."
Kurz skandieren Jerzy und einige andere noch "Konstytucja" als Duda seine Rede beendet hat. Aber keiner macht mit. Der Präsident fährt weiter nach Sulecin.

Über Polens Staatspräsidenten

Andrzej Duda, Jahrgang 1972, stammt aus Krakau und studierte dort Recht und Verwaltung. 2005 war er Rechtsberater in der ersten Regierung seiner Partei "Recht und Gerechtigkeit" (PiS), 2011 bis 2014 Sejm-Abgeordneter und 2014-2015 Europa-Parlamentarier. Als Präsident stimmte er 2017 nach starken Protesten gegen zwei von drei Gesetzesinitiativen zur Gerichtsreform. Seine Frau Agata Kornhauser-Duda ist Deutschlehrerin. Duda ist in vielen Umfragen der bebliebteste Politiker Polens. nmw