Wer in einem Einpersonenhaushalt monatlich weniger als 801 Euro zur Verfügung hat, gilt in Brandenburg als arm. In Frankfurt lag die Armutsgefährdungsquote, also der Anteil derjenigen, die im Monat mit weniger als 60 Prozent des landesweiten Haushaltsnettoeinkommens zurechtkommen müssen, nach Angaben des Statistischen Amtes Berlin-Brandenburg Ende 2012 bei 26,1 Prozent. Das war mit Abstand der höchste Wert in ganz Brandenburg, in den anderen kreisfreien Städten betrug er 18,1 (Cottbus), 17,4 (Potsdam) und 14,8 Prozent (Brandenburg/Havel). Der Landesdurchschnitt lag bei 14,6 Prozent.
Für Katrin Stoll-Hellert, Leiterin des Frankfurter Regionalbüros des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, sind die Zahlen keine Überraschung und vor allem ein Beleg dafür, dass sich das Thema in Armut in der Stadt zuspitzt. Denn die Statistiker berichten auch, dass die Quote in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen ist: 2005 betrug sie noch 18,7, 2007 waren es 21,2, zwei Jahre später 23,6 und 2011 dann 25,2 Prozent.
Die Folgen zunehmender Armut beobachtet Jürgen Wroblewski täglich im Bürgerladen in der Fürstenwalder Straße. Wie die anderen Projekte der Frankfurter Arbeitsloseninitiative präsentierte sich am Donnerstag auch dieses zum Aktionstag auf dem Wochenmarktplatz Heilbronner Straße. Immer mehr Oderstädter suchten bei der Initiative Hilfe, darunter immer mehr Renter, wie Projektleiter Wroblewski berichtet. "Wer 500 bis 600 Euro Rente hat und 300 Euro Miete zahlt, kann keine großen Sprünge machen", sagt er. Oft seien es gerade Ältere, die vor Scham keine weitere Hilfe - Wohngeld etwa - in Anspruch nähmen. Wenn dann Kühlschrank oder Waschmaschine kaputt gehen, sei die Not groß. Nach solchen Geräten bestehe im Bürgerladen ständig Nachfrage, sagt der Projektleiter. ""Die sind weg, wie sie reinkommen."
Dabei stellt er so wie die Geschäftsführerin der Arbeitsloseninitiative, Annegret Schmidt, fest, dass die Hilfsbereitschaft der Frankfurter groß sei. Häufig frage aber nach, wer etwas spende. "Sie wollen wissen, ob aus Kleidung Putzlappen werden oder was mit den Möbeln geschieht", erzählt Jürgen Wroblewski. Und versichert, dass alle Spenden in der Stadt bleiben und Bedürftigen zugute kommen. Das hat Mittwoch auch manchen Besucher des Aktionstages zu Großzügigkeit veranlasst. Statt des Fünfzigers für ein Stück Kuchen hätten viele Besucher einen Euro gegeben, berichtet Annegret Schmidt und ist froh über die Spendenbereitschaft.
Internet: www.statistik-bbb.de und www.amtliche-sozialberichterstattung. de