Knapp zwei Stunden hatte sich der Innenminister die Argumente auch von Oberbürgermeister Martin Wilke gegen die Einkreisung der Stadt Frankfurt, wie im Leitbild der Landesregierung vorgesehen, angehört. Schröter schüttelte immer wieder mal mit dem Kopf. Später bekam Schröter zwischenzeitlich aber auch ein wenig Applaus für seine Argumentation. Doch dann kam es zum Eklat, wie dies von vielen im voll besetzten Großen Saal im Kleist Forum empfunden wurde. Schröter sagte, dass jeder Flüchtling, der seinen Asylstatus erhalten habe, dann dort hingehen könne, wohin er will. Er glaube nicht, dass sich viele von ihnen für eine nicht so attraktive Stadt wie Frankfurt entscheiden werden, aus der zuvor schon so viele Frankfurter weggegangen sind. Er erinnerte daran, dass in Frankfurt seit 1990 etwa 30 000 weniger Menschen leben.
OB Wilke reagierte darauf entsetzt: "Karl-Heinz, du bist zwar in Frankfurt geboren, aber dein Herz schlägt nicht für diese Stadt." Er entgegnete, dass Frankfurt mit großer Unterstützung auch des Landes sich trotz heftiger Rückschläge, nicht selbst verschuldet, wie bei der Schließung der drei Solarfabriken, wirtschaftlich entwickelt habe. "Frankfurts aktuelles Problem ist die fehlende industrielle Basis. Wir brauchen wirtschaftliches Wachstum am Standort. Doch von Wachstum steht kein Wort im Leitbild der Landesregierung", sagte er unter dem Beifall der Frankfurter.
Der Arzt Karl-Ludwig von Klitzing plädierte angesichts des anhaltenden Flüchtlingsstroms nach Deutschland in der Diskussion dafür, eine Stadt wie Frankfurt durch eine Einkreisung im gewissen Sinne nicht kleiner zu machen, sondern den Zustrom von Menschen auch als eine Chance für die Entwicklung Frankfurts zu sehen. Schröter entgegnete, er freue sich, dass sich in Frankfurt offensichtlich die Einstellung zu Flüchtlingen verändert habe. Vor Monaten habe er bei einem Forum noch andere Meinungen vernommen. Und er hielt der Stadt dann vor: "Das Land hat Frankfurt so viel Geld gegeben. Und trotzdem sind viele Menschen von hier weggegangen."
Zuvor hatten vor allem der Innenminister und der Oberbürgermeister Argumente für und gegen die Einkreisung der Stadt Frankfurt dargelegt. Wilke betonte, dass Brandenburg starke Städte braucht. Das Leitbild der Landesregierung bezeichnete er als unausgegoren und durch Fakten nicht belastbar. Er verwies darauf, dass von den 108 kreisfreien Städten in Deutschland etwa 20 Prozent kleiner als Frankfurt seien. Vor allem kritisierte Wilke, dass Auswirkungen der Reform vom Land nicht mal durchgerechnet worden sind. "Erst rechnen, dann entscheiden - das müsse doch die Herangehensweise sein", betonte er. Mit dem Leitbild werde jedoch die Einkreisung als eine Tatsache vorweg genommen. "Den Autoren des Leitbildes ist nicht klar, welche Rolle die Städte im Flächenland Brandenburg spielen", betonte der Oberbürgermeister. Er verwies dabei insbesondere auch auf den Status Frankfurts als eine Universitätsstadt an der deutsch-polnischen Grenze.
Innenminister Schröter warb für die Kreisreform der Landesregierung. Er betonte, dass dies ein Entwurf sei und einmalig in Deutschland, dass dieser ohne Vorfestlegungen ein ganzes Jahr bei Bürgerversammlungen diskutiert werde. Erst dann werde der Landtag entscheiden. Schröter entgegnete den Kritikern: "Die Einkreisung bedeutet keinen Weltuntergang für Frankfurt." Die Stadt verliere lediglich ein paar Zuständigkeiten wie für die Abfallwirtschaft, das Oberstufenzentrum und die zwei Förderschulen, den Rettungsdienst und die staatliche Gesundheitsfürsorge. "Die Verwaltungen des Landes sollen trotz demografischer Entwicklung zukunftsfest gemacht werden", nannte er als Ziel der Reform. Die aktuell gute Einnahmesituation des Landes solle genutzt werden, um jetzt langfristig finanzierbare Strukturen zu schaffen. Durch beispielsweise eine Teilentschuldung beabsichtige das Land, die Stadt auch weiter als Oberzentrum zu stärken. Durch die Entlastung von kostenintensiven Aufgaben, wie Sozialamt und Jugendamt, entstünden größere finanzielle Spielräume für freiwillige Leistungen. "Nicht die Verwaltung macht den Unterschied der Städte aus, sondern der Strauß der freiwilligen Leistungen in einer Stadt. Dafür braucht eine Stadt aber Geld", warb er für die Reform.
Die Veranstaltung dauerte bei Redaktionsschluss an.
Eklat bei Diskussion zur Kreisreform.