"Gründlichkeit geht hier vor Geschwindigkeit. Es gibt viel Abstimmungsbedarf mit dem Denkmalschutz", erklärt Jörg Konschake, Geschäftsführer der BFb Vermittlungsgesellschaft, die sich in der Ausschreibung durchgesetzt hatte. Das Unternehmen betreibt über Tochtergesellschaften in Cottbus und Forst bereits zwei Krematorien. Ein drittes kommt nun hinzu, womit die Unternehmensgruppe Südostbrandenburg noch besser abdecken kann. Denn viele Verstorbene aus Frankfurt werden bisher nach Berlin oder eben Cottbus zur Einäscherung gebracht.
Eigene GmbH bereits gegründet
Mit der Feuerbestattungen Oderland GmbH hat die Unternehmensgruppe bereits eine eigene Gesellschaft gegründet. Derzeit wird der Bauantrag vorbereitet. Eine  Arbeitsgruppe mit Mitarbeitern aus dem Ordnungsamt, dem Zentralen Immobilienmanagement, dem Denkmalschutz und der Friedhofsverwaltung begleitet den Planungsprozess. Vorgesehen ist zunächst die Installation eines Ofens für Feuerbestattungen. Die Anlage soll sowohl ökologisch als auch immissionsschutztechnisch höchsten Standards entsprechen, erklärt Jörg Konschake. Die Trauerhalle und die Kühlzellen wird das Unternehmen dann ebenfalls mit betreiben, um Feuerbestattungen und Trauerzeremonien aus einer Hand anbieten zu können.
In Cottbus hatte die BFb Vermittlungsgesellschaft das Krematorium vor 13 Jahren aus der Insolvenz heraus übernommen und seitdem wirtschaftlich wieder auf einen grünen Zweig gebracht. 2012 übernahm das Unternehmen dann das – ebenfalls denkmalgeschützte – Krematorium in Forst. Letzteres wurde erst kürzlich mit einem Gütesiegel der RAL-Gütegemeinschaft zertifiziert, für das viele Kriterien über die gesetzlichen Vorgaben hinaus einzuhalten sind. Dazu gehört neben modernster Einäscherungstechnik und regelmäßigen Qualifizierungen für Mitarbeiter auch, dass Hinterbliebene den Feuerbestattungen beiwohnen können. "Es geht uns nicht bloß um Zahlen. Sondern um einen würdevollen, respektvollen Umgang mit den Verstorbenen. Auch die Angehörigen sollen sich wiederfinden", sagt Konschake.
Rund 600 Bestattungen finden jedes Jahr auf dem Hauptfriedhof und den vier Ortsteilfriedhöfen statt. Bei dem überwiegenden Teil handelt es sich – wie überhaupt in Deutschland, von regionalen Unterschieden abgesehen – um Urnenbeisetzungen. Trotzdem gäbe es nachwievor Vorbehalte gegenüber der Bestattungsform, so Mitgesellschafter Rudolf Kuedlik. Dem Unbehagen versuche die Unternehmensgruppe mit Transparenz und Offenheit zu begegnen. "In anderen Kulturen ist es ganz normal, dass die Angehörigen den Sarg dem Feuer übergeben. Auch wir bieten individuelle Zeremonien an, und sie werden auch zunehmend nachgefragt", berichtet Kuedlik.
2007 gingen die Öfen kaputt
Die Trauerhalle samt separat zugänglichem Krematorium wurde 1930 fertiggestellt. Konzipiert hatte das Bauwerk Stadtbaumeister Josef Gensing. Bis 2007 war das Krematorium in Betrieb. Dann ging einer der Öfen kaputt. Die Investitionskosten waren für die Stadt zu hoch und die Feuerbestattungen in Frankfurt wurden daher eingestellt. Anfang 2018 brachte schließlich Jens Dörschmann – bis Ende 2019 Abteilungsleiter der städtischen Friedhofsverwaltung – eine Ausschreibung auf den Weg. Mit Erfolg. Rudolf Kuedlik und seine Kollegen wissen um die historische Bedeutung des Gebäudes für die Stadt Frankfurt. Auch er sagt: "Für ein Denkmal ist es am besten, wenn es wieder seiner ursprünglichen Nutzung zugeführt wird."

88 Prozent entscheiden sich heute für Urnen


Feuerbestattungen gab es bereits vor 9000 Jahren. Mit dem aufkommenden Christentum verschwanden sie in Europa für viele Jahrhunderte. Erst im 19. Jahrhundert, als Städte und Einwohnerzahlen wuchsen, fand vor allem aus hygienischen Gründen eine Rückbesinnung statt. Das erste Krematorium in Deutschland ging 1878 in Betrieb. Auf Initiative von Feuerbestattungsvereinen folgten – damals gegen den Widerstand der Kirchen – weitere Anlagen.

Heute wählen in Deutschland die meisten Menschen eine Feuerbestattung. In Brandenburg lag der Anteil an Urnenbestattungen 2018 nach einer Umfrage der RAL-Gütegemeinschaft bei 88 Prozent. thg