Kinder und Jugendliche wünschen sich mehr Platz zum draußen Sporttreiben, Spielen und wollen dabei mitbestimmen. Das haben Befragungen von Kindern und Eltern Anfang dieses Jahres sowie Sozialraumanalysen gezeigt. Die wenigen klassischen Kinder- und Jugendeinrichtungen der Stadt sollen erhalten bleiben, es soll jedoch ein neues Projekt zur Nutzung öffentlicher Räume und zur mobilen Jugendarbeit ausgeschrieben werden. „Da setzen wir einen neuen fachlichen Fokus“, sagt Ina Grahl, Gruppenleiterin Jugendförderung beim Amt für Jugend und Soziales.
Für dieses Vorhaben und weitere Angebote für Kinder und Jugendliche sollen ab 2021 zusätzlich 4,35 Stellen geschaffen werden. Das geht aus dem Jugendförderplan für die Jahre 2021 bis 2024 hervor, der im jüngsten Jugendhilfeausschuss vorgestellt wurde. Er soll im Dezember von den Stadtverordneten beschlossen werden. Der bisherige Jugendförderplan 2016 - 2019, der auf das aktuelle Jahr ausgedehnt wurde, zeigte, dass es zu wenige Angebote in der Kinder- und Jugendarbeit gibt. Mit der Fortschreibung soll sich das nun verbessern, wenngleich auch weiterhin Geld fehlt.

2,4 Millionen Euro für Kinder- und Jugendarbeit

Für die Förderung der Kinder- und Jugendarbeit nimmt Frankfurt in den kommenden Jahren mehr Geld in die Hand. 2021 sind es gut 2,4 Millionen Euro, wovon die Stadt rund 1,7 Millionen Euro selbst zahlen muss. In den darauffolgenden Jahren steigt der Anteil, den die Stadt im Rahmen des Jugendförderplans leistet, jeweils um 250.000 Euro.
Allerdings haben die verschiedenen Träger im Jugendhilfebereich fast 15 neue Stellen beantragt. Weniger als ein Drittel davon wird möglich sein. Gesetzliche Vorgaben, wie Stellen in der Jugendarbeit berechnet werden, gibt es nicht. Man geht aber davon aus, dass eine Fachkraft auf 250 Einwohner in der entsprechenden Altersklasse fällt. Aktuell gibt es nach dieser Berechnung sechs Fachkräfte zu wenig, künftig sollen es dann nur noch zwei Stellen zu wenig sein.

Jugendclubs werden zum Teil nicht gut genutzt

Aber gibt es überhaupt genügend Orte, die sich an Kinder und Jugendliche richten? „Die stationären Angebote werden teilweise nicht gut genutzt“, erklärt Ina Grahl. Deshalb wurde mit der letzten Fortschreibung des Jugendförderplans der Jugendclub in Süd geschlossen und der mobile Omnibus Süd ins Leben gerufen. Allerdings, das räumt Grahl ein, wird der im Sommer sanierte Jugendklub „Chillerstreet“ in Neuberesinchen jetzt sehr gut angenommen. „Das ist der Hammer. Der ist jetzt aber auch schön. Kinder und Jugendliche wünschen sich saubere, ordentliche Räume – und Jugendclubs haben manchmal so den Charme von früher“, sagt sie lachend.
Auch technische Ausstattung spiele mittlerweile eine sehr wichtige Rolle, betont Sozialdezernent Jens-Marcel Ullrich. „Auch den Ortsteilen soll mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden“, sagt er, unter anderem mit personeller Verstärkung bei der Awo, die in den Ortsteilen unterwegs ist.

In West werden Angebote weiterentwickelt

Ebenfalls verbessert wurde die Sachkostenausstattung, betont Grahl. Das gebe den Mitarbeitern die Möglichkeit, ihre „wertvolle pädagogische Zeit nicht mit Antragstellungen für Fördermittel in dem Maße“ zu vertun. Pro Stelle gibt es dann etwa 750 Euro im Jahr für pädagogische Sachkosten und 250 Euro für Fortbildung und Supervision. Dafür waren bislang keine Mittel in den Jugendförderplan eingestellt.
Im kommenden Jahr soll es außerdem eine Sozialraumanalyse im Stadtteil West geben. 2011 wurde damit in Neuberesinchen angefangen, bis auf West wurden die Analysen in allen Stadtteilen durchgeführt, um Bedarfe zu ermitteln und Angebote für Jugendliche weiterzuentwickeln. Das soll auch künftig weitergeführt werden. „Alle drei, vier Jahre wäre das schon sinnvoll“, sagt Ina Grahl.

5350 Kinder und Jugendliche zwischen zehn und 21 Jahren

Die Angebote in der Jugendarbeit richten sich an alle bis 27 Jahre, die meisten dieser Kinder und Jugendlichen sind jedoch zehn bis 21 Jahre alt, wovon es 5350 in der Stadt gibt. Die prognostizierten 500 Personen mehr in dem Altersbereich, die es bis 2024 in Frankfurt geben soll, werden zwar nicht erreicht. Aber die Zahlen an Kindern und Jugendlichen werden auch nicht zurückgehen, ist sich Ullrich sicher und verweist auf die Tesla-Fabrik, den Flughafen BER, mögliche Baugebiete entlang der A12 und hochwertigen Mietwohnungsbau.
Der Sozialdezernent sieht in der Debatte über die Finanzierung der Kinder- und Jugendarbeit aber auch klar das Land in der Pflicht. Mit den Jahren würden die Kosten steigen, schon allein durch Inflation und höhere Gehälter durch Tarifsteigerungen. „Es gibt einen höheren Finanzbedarf, ohne dass sich die Angebote verbessern“, sagt auch Ina Grahl.