Eigentlich hatte der Parteivorstand eine externe Lösung favorisiert. Doch alle potenziellen Kandidaten von außen sagten ab. Darunter etwa der AfD-Landtagsabgeordnete Sven Schröder aus Potsdam-Mittelmark. Ohne eigenen Kandidaten in die Wahl zu gehen, stand jedoch nie zur Debatte. "Nach den Wahlerfolgen können wir uns nicht erlauben, ein Vakuum zu hinterlassen. Dafür ist Frankfurt zu wichtig. Außerdem stehen 2019 die nächsten Wahlen an", erklärt Wilko Möller. Bei der Bundestagswahl war die AfD in der Oderstadt mit 21,9 Prozent bei den Zweitstimmen zweitstärkste Kraft hinter der CDU (23,2 Prozent) geworden. Auf einen ähnlich großen Stimmanteil hofft die rechtspopulistische AfD nun auch bei der OB-Wahl. In der mehrstündigen Versammlung im AfD-Büro in der Müllroser Chaussee einigten sich die Parteimitglieder am Sonnabend auf Möller als Kandidat aus den eigenen Reihen. Einen Gegenkandidaten gab es bei der Abstimmung nicht.
Wilko Möller ist in Hannover geboren und in Köln aufgewachsen. Nach der Wende begann er eine Laufbahn bei der Bundespolizei. 1992 zog er dafür nach Frankfurt (Oder). Es folgten berufliche Stationen beim BKA in Wiesbaden, beim LKA in Berlin sowie im Bundeskanzleramt.
Ab 1985 gehörte Möller zeitweilig der Jungen Union an. Nach langer politischer Pause wurde der Vater von fünf Kindern 2008 Mitglied der FDP. 2012 trat er aus der Partei aus und gründete kurz darauf den Stadtverband der AfD in Frankfurt mit. Diesen führt der 51-Jährige mittlerweile in dritter Amtszeit. Zugleich ist er Vorsitzender der von fünf auf zwei Mitglieder zusammengeschmolzenen AfD-Fraktion im Stadtparlament sowie Mitglied im Landesvorstand.
Mit provozierenden Positionen handelt er sich regelmäßig Kritik ein, gerade beim Reizthema Flüchtlinge. "Die Leute kommen hierher und stellen große Ansprüche. Früher war die Leistungsbereitschaft unter Migranten größer", behauptet er und findet, auch Frankfurt dürfe es deshalb "mit der Willkommenskultur nicht übertreiben".
Asyl und Integration sieht Möller im bevorstehenden OB-Wahlkampf jedoch nur als Randthemen an. Oberste Priorität habe für ihn, den Wirtschaftstandort Frankfurt attraktiver zu machen. Und zwar auch gegenüber Slubice, wo BMW gerade ein Logistikcenter ausbaut und rund 300 neue Jobs schaffen möchte. "In Polen dreht man am großen Rad, und in Frankfurt beschäftigen wir uns mit Teebeuteln. Das kann nicht sein", beklagt Möller - die Firma Unicaps baut in Frankfurt zurzeit eine Produktionsstätte für Teekapseln. 30 Arbeitsplätze könnten entstehen. Darüber hinaus will Möller auf die Abschaffung der Kita-Elternbeiträge drängen, neue Grundstücke für Eigenheimbauer erschließen lassen und den Fokus bei der Innenstadtentwicklung auf die Bischofstraße richten.
Die Frist für Wahlvorschläge endet am 28. Dezember. Mit dem parteilosen Amtsinhaber Martin Wilke sowie den Dezernenten Markus Derling (CDU) und Jens-Marcel Ullrich (SPD) tritt die gesamte Rathausspitze an. Linke und Grüne schicken den Frankfurter Landtagsabgeordneten René Wilke ins Rennen. Weiterer Bewerber ist Politsatiriker Sandro Jahn, dem jedoch noch Unterstützerunterschriften fehlen.