Nicht Schritt gehalten mit dieser Entwicklung hat allerdings die Fahrradfreundlichkeit in der Stadt, besonders an Baustellen, findet Stefan Große Boymann. Der passionierte Radfahrer soll jedes Mal vom Fahrrad steigen, wenn er den Radweg von der Perleberger Straße in Richtung Klingetal nimmt. Ein Weg, der bei Radlern beliebt ist, um von Nord nach West zu kommen. Seit fast zwei Wochen prangt ein Schild am sonst kombinierten Rad- und Fußweg, der diesen zu einem reinen Fußweg macht. Wegen einer Baustelle, von der aber seitdem nichts zu sehen ist.

Jede Fahrt eine Ordnungswidrigkeit

Eine Kleinigkeit, könnte man meinen, schließlich können die Radler ja trotzdem fahren – was die meisten auch machen. "Allerdings begeht man jedes Mal eine Ordnungswidrigkeit, die 55 Euro Strafe kostet. Als freiwilliger Mitarbeiter beim Ordnungsamt während der Corona-Zeit bin ich dafür sensibilisiert", so der Orchestermusiker. "Außerdem wollen auch Radfahrer Termine einhalten. Offensichtlich gibt es den Eindruck, Radfahrer sind reine Freizeitfahrer, die können auch mal schieben", ärgert er sich. Unklar ist, warum der ganze Weg für Radfahrer gesperrt wird, obwohl nur im unteren Bereich eine Wasserleitung verlegt werden soll. Dass Fahrradfahrer an Baustellen nicht ordentlich umgeleitet werden, sieht man öfter in der Stadt, so Stefan Große Boymann.
Der ADFC verlinkt auf seiner Internetseite auf eine Broschüre fahrradfreundlicher Städte in Nordrhein Westfalen. Dort heißt es: "Bei einer verbleibenden Restbreite von mindestens 1,50 m können Fußgänger und Radfahrer weiter geführt werden. Die Beschilderung muss in diesem Fall als ‚Gehweg, Radfahrer frei’ erfolgen".
An der Baustelle an der oberen Goepelstraße  wird Radfahrern ebenfalls keine Umleitung angeboten. Auch hier wird kurzerhand ein Fußweg ausgeschildert, obwohl ein Radweg nur 200 Meter weit entfernt zur Verfügung steht. Der könnte zumindest für Fahrradtouristen mit Taschen sinnvoll sein. Denn der ausgewiesene Not-Fußweg ist an der engsten Stelle nur 75 Zentimeter breit, sodass es auch mit einem geschobenen Rad eng wird, wenn jemand entgegenkommt.
Auch am Karl-Ritter-Platz gibt es kein Umleitungszeichen für Radfahrer. Seit Monaten ist eine Seite des Platzes gesperrt. Er ist ein beliebter Weg für Radfahrer, die aus Richtung Zentrum kommen. Die dürfen aktuell aber weder den Fußweg noch die Einbahnstraße falsch herum befahren. Eines davon für Radfahrer freizugeben, wäre eine Möglichkeit. Eine andere, für den Radverkehr eine Umleitung über die Lebuser Mauerstraße anzubieten. Stattdessen geht es fahrradunfreundlich durch das Schlaglochfeld der Gerstenberger Höfe.

Unternehmen planen selbst

Grundsätzlich werden bei jeder Planung für das Baugeschehen der Stadtverwaltung auch die Verkehrsströme aller Verkehrsteilnehmenden zur Absicherung von Baustellen mit berücksichtigt, erklärt Kora Kutschbach von der Pressestelle der Stadt. Es werde "sehr sensibel betrachtet, wie die Verkehrsteilnehmenden sicher an der Baustelle vorbeigeführt werden können. Es sei denn, eine Vollsperrung ist unvermeidbar. Dann müssen für alle betroffenen Verkehrsströme Umleitungen geplant werden". FWA, Stadtwerke oder Telekom planen allerdings allein. Sie müssen sich den Plan aber genehmigen lassen.