„Ich liebe Frankfurt (Oder) und will hierbleiben“, sagt Beatrix Forck. Mit den Freunden und Weggefährten, die sie in den vergangenen zehn Jahren hier gewonnen hat, will die Pfarrerin „noch viel erleben“. Ab dem kommenden Jahr wird Beatrix Forck dafür mehr Zeit haben: Am 26. Dezember wird sie ab 10 Uhr in „ihrer“ St.-Gertraud-Kirche im kleinen Rahmen in den Ruhestand verabschiedet.

Kulturelle Angebote waren ein wichtiges Argument

Vier Tage später feiert die Theologin, die im September 2010 ihren Dienst in der Frankfurter Gemeinde aufgenommen hatte, ihren 63. Geburtstag. Sie habe sich damals bewusst für Frankfurt (Oder) entschieden. „Die kulturellen Angebote waren ein wichtiges Argument für mich“, erinnert sich die in Trebus bei Fürstenwalde geborene Pfarrerin.
Sie war 2010 aus Berlin an die Oder gekommen, wo sie zehn Jahre lang als Superintendentin im Kirchenkreis Lichtenberg-Oberspree tätig gewesen war. „Das waren zehn Jahre fast nur Arbeit.“ Das habe sie nicht länger gewollt, sagt Beatrix Forck rückblickend.
Auch wenn die Theologin, die vor dem Studium in Naumburg eine Ausbildung zur Wirtschaftskauffrau gemacht hat, von sich sagt: „In Haushaltsfragen macht mir keiner was vor“ – in Frankfurt hat sie sich vor allem als Literaturexpertin einen Namen gemacht.

Die Liebe zur Literatur in die Gemeinde getragen

Beatrix Forck habe „die Liebe zur Literatur in die Gemeinde getragen“, schreiben Irene Staemmler und Oliver Maye in ihrem Dank zum Abschied namens der Gemeinde im Gemeindebrief. Im Lutherjahr 2017 hat Beatrix Forck den Kontakt zum Kleist-Museum geknüpft. Gemeinsam wurde ein Format entwickelt, von dem die ganze Stadt profitierte: Die Bürgerlesung zum Ende der Kleist-Festtage. Nach dem „Kohlhaas“ lasen die Frankfurter im Fontanejahr 2019 „Der Sturm“. Beatrix Forck, Fan und Kennerin des Dichters, hatte damals die inhaltliche Vorbereitung der Lesenden übernommen.

Umzug ins Kleist-Museum

Inzwischen treffen sich literaturbegeisterte Frankfurter mit Beatrix Forck, der bekennenden Viel-Leserin, regelmäßig zum „Gespräch über Bücher“. Bislang bei der Kirchengemeinde angesiedelt, ziehe die für alle offene Veranstaltungsreihe ab Januar ins Kleist-Museum um, kündigt die scheidende Pfarrerin an.
Ihr verdanken die Mitglieder ihrer Gemeindebezirke – neben St.-Gertraud ist Beatrix Forck auch für Booßen und Rosengarten zuständig – weitere inhaltliche Bereicherungen, wie Pilgerwanderungen sowie die Pilger- und weiße Nacht. Auch der Arbeit mit den Senioren habe sich die Pfarrerin mit viel Herzblut gewidmet, bescheinigen ihr Gemeindemitglieder.

Sechs Gottesdienste am Heiligabend

Vor dem Abschied hat Beatrix Forck noch einmal ein Mammut-Programm vor sich: Sechs Gottesdienste soll sie allein am Heiligabend leiten. Das lässt kaum Zeit für Trauer und Wehmut. Denn am Heiligabend 1996 war Beatrix Forcks Mann, Bischof Gottfried Forck, in Rheinsberg gestorben.
Ihren vorerst letzten Gottesdienst wird die Pfarrerin voraussichtlich am Silvestertag, ab 17 Uhr in der Wulkower Dorfkirche leiten. Dann ist sie eigentlich schon außer Dienst. Aber „Pfarrer sind auf Lebenszeit berufen“, sagt die Frankfurterin, die ab dem kommenden Jahr noch so einiges vor hat: Eine neue Fremdsprache zu lernen zum Beispiel. „Ich schwanke zwischen Polnisch und Französisch“, sagt Beatrix Forck.