Die befragten Unternehmer wünschen sich, dass die Vorzüge der Stadt besser nach außen dargestellt werden müssen. Stattdessen würden vor allem Berichte über Probleme mit dem Haushalt und Streitigkeiten im Rathaus wahrgenommen. "Legislative und Exekutive müssen besser zusammenarbeiten. Image und Anspruch des Verwaltungshandelns sollten mit dem Anspruch der Zukunftsorientierung übereinstimmen", heißt es in der Zusammenfassung der Befragung.
Die Anteile der zufriedenen und unzufriedenen Unternehmen sind mit jeweils 26 Prozent gleich groß. Als Gründe für die Unzufriedenheit werden das Niedrigpreisniveau, unmotivierte Fachkräfte und zu kleine Unternehmensstrukturen genannt. Negativ werden wahrgenommen, dass zu viele Studenten in Berlin wohnen und es zu wenige Innovationen auf Grund fehlender Industrie gibt. Zu hohe Gewerbesteuern werden ebenso kritisiert.
Die Befragten wünschen sich mehrheitlich auch eine bessere Vermarktung der Innenstadt. Es sollten Anreize für die Ansiedlung kleinerer und mittlerer Unternehmen dort geschaffen werden. Dazu zählt auch die Ansiedlung von Geschäften, die ein höherwertiges Angebot anbieten. Damit könnte die Innenstadt auch für polnische Kunden interessanter werden, damit sie nicht nach Berlin durchfahren. Kleine Handwerksbetriebe und mittelständische Unternehmen werden in Frankfurt unterschätzt und zu wenig gefördert, heißt es im Fazit der Befragung. Eine Rückbesinnung auf die lokalen Reserven wird gefordert.
Ute Kerber, Geschäftsführerin von LQM Marktforschung aus Mainz, bewertet die Lage in Frankfurt jedoch besser als die Stimmung. "In einer solchen Situation besteht die Gefahr, dass das Positive noch zerredet wird", ermuntert sie zu mehr Miteinander statt Gegeneinander in der Stadt. Die Mehrheit der Unternehmer hätte in der Befragung auch die Bereitschaft geäußert, mit der Stadt an einem Strang zu ziehen. Ute Kerber hob als überdurchschnittliche Werte im bundesweiten Vergleich die Zufriedenheit mit der Kinderbetreuung, Verkehrsanbindung und dem Angebot an Erweiterungsgewerbeflächen hervor. Auch die Nähe zu Forschung und Wissenschaft sowie die schulischen Angebote würden positiv bewertet. Dagegen kämen die Breitbandversorgung, die Lebensqualität am Standort und das Image des Standortes sehr schlecht in der Bewertung weg.
OB Martin Wilke kündigte an, dass die Stadt stärker auf die Unternehmen zugehen will. Dazu soll das Lotsensystem ausgebaut werden; Unternehmer sollen ständige Ansprechpartner in der Verwaltung haben. "Wir brauchen eine Stabilisierung des Mittelstandes und neue Ansiedlungen. In diesem Zwei-Klang muss mehr wirtschaftliche Kraft entstehen", betonte Wilke. Zu dieser Einschätzung würde auch die Befragung kommen.
Von 605 angesprochenen Unternehmen beteiligten sich 202 an der Befragung. Die meisten Unternehmen kommen aus dem Dienstleistungssektor, dem Handel und Gastgewerbe und beschäftigen weniger als zehn Mitarbeiter.