Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke musste kurzfristig wegen einer Konferenz im Bundeskanzleramt seinen Besuch beim 34. MOZ-Talk mit Musik am 2. November in Frankfurt (Oder) absagen. Für ihn kommt nun die Co-Vorsitzende der Bundes-SPD Saskia Esken.
Saskia Esken ist eine Frau mit vielen Gesichtern. Vor ihrem Einstieg in die Politik arbeitete die in Stuttgart Geborene zunächst in verschiedenen ungelernten Tätigkeiten: als Chauffeurin oder Schreibkraft. Später schloss sie eine duale Ausbildung zur staatlich geprüften Informatikerin ab und hat dann Software entwickelt. Vermutlich soll dies sozialdemokratischen Stallgeruch verbreiten, auf jeden Fall aber klingt es nach ungebremstem sozialen Aufstieg.
Dazu gehört jedoch auch die Vorgeschichte: Nach dem Abitur studierte die heute 61-Jährige zunächst Germanistik und Politikwissenschaften, brach das Studium aber ab und arbeitete anschließend als Paketzustellerin und Kellnerin. In den Deutschen Bundestag zog die verheiratete Mutter von drei erwachsenen Kindern, die 1990 in die SPD eintrat, erstmals 2013 ein.

Das Von-ganz-unten-Kommen hatte die SPD-Funktionäre wohl überrascht

Bis 2019 war Sakia Eskens Bekanntheitsgrad gering. In den Medien kam sie eher bieder und hausfraulich rüber, eben mehr schwäbisch als avantgardistisch. Doch 2019 wurde die linkseingefärbte Sozialdemokratin mit Norbert Walter-Borjans zur Parteivorsitzenden gewählt. Zuvor hatten beide bei einer Stichwahl Olaf Scholz und Klara Geywitz aus dem Zentrum der Macht geschoben. Dieses Von-ganz-unten-Kommen hatte die SPD-Basis letztendlich wohl an ihr fasziniert und die SPD-Funktionäre überrascht.
Später unterstützte Esken Olaf Scholz als Kanzlerkandidaten. Als Parteilinke folgte sie der Einsicht, dass die SPD nur mit einem bürgerlich-mittig verorteten Politiker wie Olaf Scholz eine Chance auf das Kanzleramt hat. Sie hätte Bundesministerin werden können, doch sie sieht sich wohl eher als SPD-Vorsitzende in der Rolle einer mächtigen Linken in Scholz‘ Hintergrund.

Esken attackierte den ukrainischen Botschafter Andrej Melnik mit Worten

Für Esken gibt es keine Vorbilder. Selbst Willy Brandt war ihr nicht sozialistisch genug. Die Schwäbin setzt auf Themen wie Bildung, Klimaschutz, zwölf Euro Mindestlohn, den Kampf gegen Rechts und auf das Motto „mehr Demokratie wagen“. Und Esken polarisiert. So attackierte sie zum Abschied den ukrainischen Botschafter in Deutschland Andrej Melnik mit den Worten, er habe als Diplomat vielleicht den Beruf verfehlt.
Die Hamburger Entertainerin Lilo Wanders und der deutschsprachige Meister im Poetry Slam David Friedrich unterhalten sich beim MOZ-Talk ebenfalls mit der Sängerin Gitte Haenning („Ich will 'nen Cowboy als Mann“). Sie wird an diesem Abend Lieder in neuem Gewand singen. Der Frankfurter Obstbauer Raik Neumann erzählt, warum er als Berliner zum Landwirt in Frankfurt wurde. Und Uwe Madel weiß als Moderator von „Täter-Opfer-Polizei“ (rbb-Reihe) von Trickbetrügern und fiesen Maschen mancher Diebe zu berichten.
Tickets gibt es an der Kasse im Kleist Forum, von Montag bis Freitag 12 bis 17 Uhr, in der Tourist-Information, von Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr und Sonnabend 10 bis 14 Uhr, sowie über kleistforum.de.