„Sie sehen doch, dass dieser Ortsbeirat gescheitert ist!“, platzte es aus Karsten Richter, Mitglied des Ortsbeirats, heraus. Zuvor hatte eine Kliestowerin gefragt, ob es ein Konzept für die Arbeitsgruppe zum Dorfjubiläum gebe, die sich Mitte Januar treffen soll. „Wir sind keine Entertainment-Vereinigung“,  so Richter vorab auf den Hinweis von einem der 15 Anwohner, dass man für die AG doch ein „bisschen was Handfestes“ brauche. Der Ortsbeirat sei ein politisches Gremium und nicht für die Organisation der Feier verantwortlich.
Als dann erneut der Vorwurf aus dem Zuschauerbereich kam, dass sich der Beirat „nicht davonstehlen“ könne, war es um Karsten Richters Geduld geschehen. Sein ganzer Frust über die Querelen zwischen Wehrleiter und Ortsbeiratsmitglied Wolfgang Welenga sowie Ortsvorsteherin Gudrun Heinrich entlud sich. Bereits von Beginn an war die Sitzung angespannt.
„Dann brauchen wir ja nicht über die Feier reden“, machte Welenga seine defensive Haltung für den Abend klar. Nach seiner Ankündigung, dass sich die Feuerwehr nicht an den Feierlichkeiten zum Jubiläum beteiligen werde und stattdessen ein eigenes Fest zu 135 Jahren Feuerwehr in Erwägung ziehe, hielt er sich am Montagabend mit Äußerungen zurück. Doch die „normalen Querelen“ – wie Gudrun Heinrich es nennt – setzten sich auch diesmal fort. Welenga mahnte an, dass das Diktiergerät auszuschalten sei. Warum? „Ich verlange es so.“ Aber die Ortsvorsteherin würde es sowieso derart halten, wie sie „lustig“ sei, meinte er.
Wie tief der Zwist in Kliestow sitzt, machte auch der Appell eines Gastes deutlich: „Bitte laden Sie alle Aktiven aus dem Ort ein“ – auch die Feuerwehr. „Ich kann keinen zwingen, zu kommen“, entgegnete Gudrun Heinrich. Klar sei, dass alle Bürger wie Vereine und Firmen eine Einladung erhalten werden. Wie diese aussehen sollen, plane sie noch. „Ich spare mir meine Aussage, sonst platzt mir gleich der Kragen“, meinte ein junger Mann.
Zum Tagesordnungspunkt AG Dorfjubiläum hatte sich die Ortsvorsteherin von den Booßener Einladungen für deren 700-Jahrfeier inspirieren lassen. Bürger wie Vereine sollen die gleiche Einladung erhalten. „Wir sollten sie bei den Firmen und Vereinen persönlich vorbeibringen“, fand dagegen Bernd Meergans.
Um sich selbst aus der Schusslinie zu nehmen, habe sie eine „neutrale Person“ für die Arbeitsgruppe aus Kliestow angesprochen, die die Moderation übernehmen soll, so Gudrun Heinrich. Als Gast werde dann auch die städtische Kulturdezernentin Milena Manns erwartet.
„Wir haben uns doch gut geeinigt“, beurteilte Heinrich die angespannte Sitzung am Dienstag. „Warum Karsten ausgerastet ist, verstehe ich nicht.“ Der Ortsbeirat habe doch einiges erreicht. Zum Beispiel die Unterschriftenlisten gegen die Erhebung der Straßenausbaubeiträge.