Eine furchterregende, diffuse Matrix aus statistisch erhoben Zahlen und Werten hält die Welt in Atem. Ohnmächtig ob ihrer Interpretation, Vergleichbarkeit und Relevanz, erzählt sie jedoch ganz eindeutig von einem sich schon lange ankündigenden Unglück: der zweiten Welle. Sehenden Auges bricht sie auf uns herein in diesen ohnehin dunkleren Tagen. Nicht als Tsunami, sondern als ein rasant steigender Pegel. Und was sich nun anhört wie ein wilder Mix aus antiker Tragödie und Science Fiction, ist traurige Wirklichkeit geworden.
Begleitet wird diese Welle von einem atonalen Konzert ohne Orchestrierung. Für alle spürbar in den Maßnahmen, das inzwischen vertraute und immer noch neuartige Virus einzudämmen. Medizinisch, wirtschaftlich, sozial, kulturell und psychologisch. Resignation, gepaart mit Müdigkeit und Ratlosigkeit – in der Psychologie „Disaster Fatigue“ genannt – wird zum gefährlichen Motor der Pandemie. Versteckt hinter den teilweise widersprüchlichen und sich selbst überholenden Eindämmungsmaßnahmen von Seiten der politisch Verantwortlichen, machten sich viele Menschen kleiner als sie sind.
Was darf ich noch? Wie ist die Regel? Wo? Mit wem? – und warum? Stellen wir uns doch nicht dümmer als wir sind. Es ist so einfach für jeden von uns, den effektivsten Beitrag zu leisten: zusammen Abstand halten. Dafür braucht es keine Verordnungen, Schließungen und Lockdowns. Solidarität ist hier gefragt. Mit der schlichten Einhaltung der AHA-Formel (Abstand halten, Hygiene beachten, Alltagsmaske) hätten wir uns alle vor dem bewahren können, was nun an einschränkenden Maßnahmen verordnet wird.
Wenn jetzt unsere Theater- und Konzerthäuser wieder geschlossen werden, kann ich dies nur als einen verzweifelten, symbolischen Akt mit Signalwirkung verstehen. Sie zählten nicht nur mit ihren hervorragenden Hygienekonzepten zu den sichersten Orten. Keine einzige Infektion ist auf den Besuch einer Kulturveranstaltung zurückzuführen. Unser Publikum hat gemeinsam mit den Künstlerinnen und Künstlern Großartiges geleistet und bewiesen, wie wichtig diese Begegnungen auch mit Abstand sind. Die Kultur hat alles andere verdient als eine weitere Abmahnung für die enorme Leistung der letzten 4 Monate – hinter, vor und auf der Bühne. Wir stehen vor einer gewaltigen Zerreißprobe.
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