Es sind Fälle, die würde man in einem fiktiven Krimi für unglaubwürdig halten, doch Hesse hat sie alle erlebt. Ein Bandenmitglied, das sich im Zeugenschutzprogramm besoffen als Staatsanwalt ausgibt. Oder der minderbemittelte Bankräuber, der mit entschlossenem Schritt erstmal gegen die Automatiktür der bereits geschlossenen Filiale knallt. Der Frankfurter Anwalt Bernd Hesse schildert diese Fälle in dem Buch „Die Hinrichtung“ komplex und humorvoll. Niemand ist zu erkennen und doch können sich Frankfurter Leser sicher sein, dass die Mehrheit der Taten in ihrer Region spielt.
Mit dem Geschichtenerzählen hat der 1962 in Bad Saarow geborene Hesse früh angefangen. Er war im Zirkel schreibender Schüler und hat im Ferienlager am Helenesee seinen Zimmergenossen solange Gruselgeschichten erzählt, bis sie ihn beim Neptunfest „Gespensterhai“ getauft haben. Seinen vier Kindern – die jüngste Tochter ist gerade zehn geworden – hat er immer selbst geschriebene Geschichten vorgelesen. Diese liegen wie viele weitere Manuskripte in seiner Schublade. Mit dem Band „Rubel, Rotlicht, Raketenwerfer“ seiner Frankfurt-Krimi-Reihe hat er hingegen gerade Erfolge auf der Leipziger Buchmesse gefeiert.
Die Literatur war immer das, was ihn interessiert hat und trotzdem entschied sich Bernd Hesse mit einem Jurastudium zunächst, den sicheren Weg zu gehen. „Das ist mein Brotstudium, ich will ja auch eine Familie ernähren“, sagt er. Er betreibt mit einem Partner eine Kanzlei am Zehmeplatz und ist spezialisiert auf Arbeits-, Wirtschafts- und Strafrecht. Doch auch seine zweite Berufung hat er akademisch fundiert und an der Viadrina Kulturwissenschaften studiert – samt einer Promotion über E.T.A. Hoffmanns „Fräulein von Scuderi“. Die Novelle gilt als erster Krimi der Literaturgeschichte.
In beiden Arbeitswelten treibt ihn das Gleiche an: Zu verstehen, warum Menschen so handeln, wie sie es tun. Der Richterjob, wie ihn seine Frau ausübt, habe ihn nie interessiert. Hesse will Partei ergreifen, Interessen vertreten. „Selbst Mord ist nicht gleich Mord“, sinniert Hesse und konstruiert ad hoc den Fall einer Frau, die den Missbrauch ihres Kindes rächt, indem sie den Täter spontan auf der Straße überfährt. Da ist er, der Geschichtenerzähler Hesse. „Ich muss die Tat nicht verstehen, aber nachvollziehen“, sagt er.
Bernd Hesse will den Leser unterhalten. Er beschreibt in seinem Buch das dreckige Gelb, indem die Zellen im Gefängnis gestrichen sind, genauso wie die Gedankengänge des Mannes, der wie von Sinnen sein Elternhaus nach der Zwangsversteigerung zerstört. Aber Hesse will auch etwas vermitteln mit den geschilderten Fällen. „Unsere Rechtsordnung hat einen hohen Wert. Die Unschuldsvermutung, der Anspruch auf ein faires Verfahren, öffentliche Verhandlungen – das ist nicht selbstverständlich“, so Hesse. In einer Gesellschaft, in der diese Grundsätze zur Farce verkommen, könne man nicht glücklich leben, ist er überzeugt.
Am Freitag, ab 19.30 Uhr, liest Bernd Hesse aus seinem Band „Die Hinrichtung“ in der Stadt- und Regionalbibliothek, Bischofstraße 17. Karten für 5 Euro werden in der Buchhandlung „Ulrich von Hutten“ im Oderturm verkauft.