Ein Spaziergag mit Schaufensterkrankheit – wie es im Volksmund so schön heißt – bekommt beim Festival „Art an der Grenze“ in Frankfurt (Oder) in diesem Jahr eine ganz andere Bedeutung. In der Kleinen Oderstraße 5 bleibt man nicht an den Fenstern stehen, weil einem die Beine schmerzen und man sich ausruhen muss, sondern weil es dort wirklich etwas zu sehen gibt.
„Art an der Grenze – na granicy“ sollte eigentlich schon Ende April Vernissage feiern, aber Corona machte einen Strich durch die Rechnung. Verschoben wurde das Kunstfestival nun auf den November – wegen des zweiten Lockdowns können aber all die im Flyer noch zu findenden Workshops, die Mitmachaktion, das Rahmenprogramm und selbst der Auftakt nicht stattfinden. „Lockdown?! Dann gehen wir halt online“, kündigte das Organisationsteam vor ein paar Tagen an und verlegte die Eröffnung kurzerhand ins Internet.

Großteil der Kunstwerke im Schaufenster zu sehen

Außerdem ist ein Großteil der Fotografien, Malereien, Zeichnungen, Keramik und Textilkunst nun in den Schaufenstern zu sehen, da Interessierte die Ausstellungsräume nicht mehr betreten dürfen. Zudem ist das Festival umgezogen, von der Großen Scharrnstraße in die Kleine Oderstraße. Am Donnerstagabend sind dort die weißlichen Vorhänge gefallen, zu sehen sind seitdem und noch bis 30. November Werke von Sascha Bels, Roman Boichuk, Pedra Guiness, Patrycja Krzeptowska, Zuzanna Piskunowicz & Sebastian Wieliczko und Viktor Voi & A. Lebus.
Die Kunstschaffenden, die ihre Werke ausstellen, kommen in diesem Jahr aus Deutschland, Polen, Russland und der Ukraine. Viktor Voi & A. Lebus haben extra für „Art an der Grenze“ ein gemeinsames Kunstwerk erschaffen. Viktor Voi liebt für seine Malereien das Zusammenspiel von Farben und verschiedenen Materialien und sagt: „Gut, dass es davon so viele und damit jede Menge Möglichkeiten gibt.“ Zuzanna Piskunowicz & Sebastian Wieliczko, beide aus Slubice, kooperieren für „Art an der Grenze“, machen aber eigentlich ganz unterschiedliche Kunst: Sie schafft Malerei; er fotografiert vor allem Straßen und Menschen.

Leuchtende Kunst im grauen Corona-Herbst

„Die ‚kontaktlose‘ Variante des Festivals hatte das ehrenamtliche Organisationsteam bereits von Beginn an mitgeplant“, erklärt Ulrike Polley von der Öffentlichkeitsarbeit. „Das Team hofft, auf diesem Wege ein bisschen leuchtende Kunst in den Herbst mit Corona-Alltag bringen zu können und freut sich über Hereinschauende.“ Farbe bringt zum Beispiel Sasha Bels in die Kleine Oderstraße, denn sie ist nicht nur Teil des Orga-Teams, sondern malt auch gerne in Türkis und Blau und stellt ihre Zeichnungen und Illustrationen, die sich vor allem mit den Problemen der Gesellschaft auseinandersetzen, aus.

Verbindung von deutscher und polnischer Kunst

Auf Abstände und die Hygieneregeln muss auch bei dieser Variante von „Art an der Grenze“ geachtet werden, betont das Team. Das Kunstfestival findet zum achten Mal statt, in Trägerschaft des Vereins Kunstgriff. „Art an der Grenze – na granicy“ verbindet deutsche und polnische Kultur miteinander. Es wird von Studierenden der Europa-Universität und Bürgern der Städte Frankfurt (Oder) und Słubice ehrenamtlich organisiert.
„Alle Mitglieder eint die Liebe zur Kunst und das Ziel, über das Festival Menschen zusammenzubringen und die Innenstadt zu beleben“, hieß es Anfang Oktober noch in der Ankündigung zur „Mini Edition“ des Festivals. Nun, einen Monat später, ist alles noch kleiner. Doch die Idee ist dieselbe und das Festival muss zumindest nicht komplett ausfallen.
Die Stadtverwaltung, der Allgemeine Studentische Ausschuss (AStA), das Studierendenparlament sowie der Förderkreis der Viadrina, das Quartiersfonds des Bundesprogramms „Soziale Stadt“ in Frankfurt, die Wohnbau, das Verbuendungshaus Fforst, das Werk1, die WG-Bar und die Kulturmanufaktur Gerstenberg fördern und unterstützen „Art an der Grenze“.
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