Das ist Oper in Corona-Zeiten: Wenn sich die Liebenden am Ende endlich doch küssen – steht zwischen ihnen eine Plexiglasscheibe. „Die Schule der Liebenden“ spielt mit Mozarts „Così fan tutte“ und der derzeitigen Ausnahmesituation für den Theater- und Konzertbetrieb. Im Sommer war diese Produktion der Oper Oder-Spree und des Kleist Forums open air in Neuzelle und Beeskow zu sehen. Am 13. September hat sie in Frankfurt (Oder) Premiere und wird im Kleist Forum aufgeführt. Mit der erforderlichen Corona-Distanz natürlich.

Darsteller gehen beim Singen sechs Meter auf Distanz

Das sieht dann so aus: Statt einem halben Dutzend Sänger und Chor stehen nur zwei Darsteller auf der Bühne. Angela Braun und David Ristau geben ein Paar, das mit viel Humor Mozarts Debatte um Liebe und Treue verhandelt – und dabei mit sechs Meter Abstand zueinander singt.
Konzeption und Regie liegen in den Händen von Ulrika Lang. In Frankfurt kennt man sie vor allem als großherzige Leiterin ihrer Ballettschule. Sie ist aber auch ausgebildete Opernsängern, Regisseurin und Tänzerin. Sie hätte mit ihren Mädchen diese Opernproduktion auch gern bereichert. Das geht wegen der aktuellen Einschränkungen nicht. Weshalb nur eine einzige ihrer Schülerinnen in der „Schule der Liebenden“ auftreten wird.

Im Ballettsaal darf inzwischen wieder geprobt werden

Immerhin darf inzwischen wieder geprobt werden im Ballettsaal im Kleist Forum. Ulrika Lang hat dafür die Gruppen verkleinert und jeder Schülerin einen eigenen Tanzbereich zugewiesen. Auf dem Boden sind Rechtecke mit Klebeband markiert, vier mal dreieinhalb Meter. So viel Platz hat jede Schülerin für sich ohne der anderen zu nahe zu kommen. Geübt wird also auf diesen 14 Quadratmeter großen Inseln. Ohne anfassen. Ohne Umarmungen. Das ist für die Kinder ungewohnt und für Ulrika Lang wirklich hart, die sich sonst nach jeder Tanzstunde von jedem Kind mit einer Umarmung verabschiedet hatte.

Kinder haben sich mit Hygienekonzept arrangiert

Als sie mit dem Unterricht jetzt wieder beginnen konnte, seien die Mädchen angesichts der neuen Bedingungen so eingeschüchtert gewesen, dass sie ihnen zurief: „Kinder, könnt ihr mal bitte frech sein!“
Inzwischen seien die Mädchen aufgetaut und haben sich die in Ulrika Langs Hygienekonzept festgelegten Abläufe eingespielt. Sie müsse die Kinder sehr loben, sagt die Tanzlehrerin. Sie seien sehr diszipliniert. Und nun wird auch wieder an einem neuen Stück gearbeitet. Mit ihrer Schule möchte Ulrika Lang in einigen Monaten eines der berühmtesten und schönsten Ballettwerke aufführen: Tschaikowskis „Nussknacker“.
Schule der Liebenden: 13.9., 18 Uhr, Kleist Forum, Tickets 17 und 15 Euro, unter 0335 4010120