Selbst mitmachen, das ist bei der 30. Ausgabe der Kleist-Festtage in Frankfurt (Oder) möglich. Zum Beispiel ganz am Ende, bei der traditionellen Bürgerlesung in der St.-Gertraud-Kirche. 2019 war diese groß angelegt, in diesem Jahr ist beim Singen, Lesen und Sprechen aufgrund von Corona Vorsicht geboten. In der Gertraudkirche ist jedoch genügend Platz.
Wer noch mitmachen will, kann sich bis spätestens Samstag bei Anette Handke melden, müsste aber um 15 Uhr direkt an Workshop und Probe teilnehmen. Gelesen werden Texte rund ums Thema Freiheit, angefangen bei literarischen Texten von Kleist, über Brecht, polnische Gedichte bis zu Wendeautoren. „Quer durch die Epochen“, sagt Museumsdirektorin Hannah Lotte Lund. Die Generalprobe ist am 10. Oktober, am 11. findet dann die Lesung „Der erste Atemzug der Freiheit...“ statt.

„Sein eigener Hermann sein“

Mitmachen, das geht auch ab diesem Sonntag im Kleist-Museum. Dann wird die zentrale Ausstellung der Kleist-Festtage zur Hermannsschlacht eröffnet. In der bis Mitte Januar zu sehenden Sonderausstellung bietet ein Raum „Platz, sein eigener Hermann zu sein“, wie Lund es erklärt. Besucher können sich dort selbst mit Requisiten in der Hermannsschlacht inszenieren, zwischen drei Szenarien – Hermann als #politiker, #ehemann oder #befreier – wählen, ein Selfie machen und das dem Museum schicken.
Digital wird es auch am Dienstag, 6. Oktober, bei der „Verlobung in St. Domingo. Ein Gespräch im Widerspruch (?)“. Autor Necati Öziri wird per Videoschalte ins Kleist-Museum geholt, zum Gespräch über sein Theaterstück und die Frage, wie es gelingen kann, rassistische Machtverhältnisse zu thematisieren, ohne sie auf der Bühne zu reproduzieren. Da auch andere Veranstaltungen in dem Museum nur mit kleiner Besucherzahl auskommen müssen, werden einen Tag nach den Veranstaltungen Videomitschnitte auf Youtube und der Website des Museums ausgespielt.

Diskussion über Kleist und Rassismus

Nach der Eröffnung der Festtage diesen Donnerstag im Kleist Forum geht es am Freitag auch im Kleist-Museum los. Um 18 Uhr zeigt das Theater 89 das Lustspiel „Der zerbrochne Krug“ im Museumsgarten. „Wir spielen bei jedem Wetter“ haben die Schauspieler laut Museumsdirektorin angekündigt. Die Sparkasse unterstützt die Aufführung.
Auch deutsch-polnische Programmpunkte, zum Beispiel ein Hörspielprojekt mit einer Schulklasse, stehen auf dem Programm. Jürgen Kaube, Mitherausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, spricht mit bekannten Gästen über „Das deutscheste aller Dramen. Kleists Herrmannsschlacht und der Zeitgeist“ und lädt zum Diskutieren ein. Am 4. Oktober geht es unter anderem um Kleist und Rassismus. „Es wird kritisch, politisch und spannend“, sagt Hannah Lotte Lund.

Stummfilm über die Hermannsschlacht

Auch ein Film darf im Kleist-Museum natürlich nicht fehlen, allerdings dieses Mal ohne das traditionelle Frühstück, sondern erst am Abend. Kaffee oder Tee sind, wie sonst zu den Filmfrühstücken, aber wieder im Eintrittspreis inbegriffen. Am 8. Oktober ab 19 Uhr läuft der Stummfilm „Die Hermannschlacht“ von 1924, in fünf Akten.
„Teatime“ heißt es auch am 9. Oktober, wenn Nele Pollatschek ab 17 Uhr im Salon über ihre Obsession spricht, nach der Schule unbedingt nach England zu gehen, in Oxford und Cambridge zu studieren – bis der Brexit kam. Am letzten Festivaltag geht es in einem Vortrag und einer Lesung um Franz Freiherr Gaudy, inklusive Pop-Up-Ausstellung. Beginn ist um 11 Uhr.

Wer spontan noch an den Proben zur Bürgerlesung teilnehmen will, kann sich unter Tel. 0335 38722112 melden. Kleist-Museum, Faberstraße 6 - 7