Er nennt sich selbst der „Alte“, spielt zuweilen mit der dritten Person, sagt schreibend „Er“ zu sich. Seine Frau Eva, die bekannte Dichterin, nennt er manchmal die „Liederliche“,  ist aber kurz darauf von großer Zärtlichkeit durchdrungen.
Es ist die letzte von drei Lesungen aus den Tagebüchern Erwin Strittmatters, mit denen der Schauspieler Michael Becker am Donnerstagabend im Kunstmuseum in der Rathaushalle zu Gast ist.  Die einfache, doch wärmende Sprache der Menschen im Osten Deutschlands ist es, die Bücher wie „Ole Bienkop“, der „Wundertäter“ und „Der Laden“  zu hohen Auflagen gebracht haben. Becker gibt den Besuchern  durch Sprache und Gestus ein starkes Identitätsgefühl. Als Lausitzer beherrscht er den Tonfall, die Sprachverfärbungen der „kleenen Leite“ von der „Heede“ genau.  Es ist politisch eine angespannte Zeit, fallen die Eintragungen in die Zeitenwende 1989/90. Strittmatter schreibt in kurzen Sätzen, verzichtet auf Ausschmückungen. Nennt aber auch die Widersprüche seines eigenen Lebens – lange Zeit staats-und parteigläubig gewesen zu sein  und zugleich immer wieder einen Fluchtweg aus der selbst verordneten Enge gesucht zu haben – mit den Mitteln der Literatur. Und er ist weit über die Lausitz hinaus sehr populär – noch in den Wendejahren kommen in Suhl in Greifswald mehr als 700 Besucher zu den Lesungen. Es sind Massenveranstaltungen mit Zugaben.
Die Idee zu den Lesungen, die weit mehr als 100 Besucher zählte, kommt von der Kuratorin des Kunstmuseums, Jeanette Brabenetz – ein Haus, das nicht nur sammelt und bewahrt, sondern sich in die Konflikte der Zeit stellt und sie widerspiegelt. Kunst könne das ebenso wie Literatur. Als Beispiel  nennt sie die Bilder von Hans Ticha, der mit seinen Plakaten und Illustrationen mit feiner Ironie Position bezieht. Oder die Malerin Cornelia Schleime, die in spielerischer Art ihre Stasi-Akte „illustriert“ hat. Zu sehen sind sie in der Ausstellung “Blick | Wendungen” in der Rathaushalle.