Zur Kandidatenfrage hat sich die Alternative für Deutschland bislang noch nicht geäußert. Doch ob Gauland nun in Frankfurt-Oder-Spree antritt oder nicht: Thomas Nord stimmte die Linken-Basis in der Region schon einmal auf einen kämpferischen Wahlkampf ein, der klar gegen die AfD aber auch gegen die regierende CDU/CSU ausgerichtet sein soll. Und in dem er für eine "machbare Alternative" eintreten werde. "Wir stehen für das Lager der Solidarität, der Weltoffenheit und des Friedens, das sollte unsere zentrale Botschaft sein". Thomas Nord warb hier für einen Schulterschluss mit Gewerkschaften, Sozialverbänden und Flüchtlingsinitiativen. Die Beteiligung an einem Regierungsprojekt mit SPD und Grünen schloss er ebenfalls nicht aus, "auch wenn im Moment nicht viel dafür spricht".
137 von 141 anwesenden Parteimitgliedern stimmten schließlich für Thomas Nord als Direktkandidaten - 97,2 Prozent.Weitere Bewerber gab es keine.
Nur eine halbe Stunde darauf startete Nord mit einer prominent besetzten Diskussionsrunde auch schon (inoffiziell) in den Wahlkampf. Neben ihm Platz genommen hatten Gregor Gysi und Anke Domscheit-Berg. Der langjährige Oppositionsführer der Linken hatte erst vorige Woche angekündigt, ebenfalls wieder für den Bundestag kandidieren zu wollen - unter anderem aus Sorge vor dem Erstarken der Rechtspopulisten, wie Gysi erklärte. Gestoppt werde könne die Entwicklung nur "wenn die CDU in die Opposition geht". Dazu brauche es "einen echten Regierungswechsel", um wieder die Menschen mitzunehmen, die sich abgehängt fühlten und von denen die AfD lebe.
In den gut 60 Minuten brachte Gysi viele Themen aufs Tableau: gleichwertige Lebensverhältnisse in Ost und West, ein gerechteres Renten- und Steuersystem und einen Neustart für die EU, die jedoch nicht zerstört werden dürfe. Der Bundesregierung attestierte er ein "erotisches Verhältnis zur schwarzen Null" und kritisierte, dass diese trotz der historischen Niedrigzinsphase derzeit nicht viel stärker investiere, etwa in die digitale Infrastruktur.
Das war auch ein Anknüpfungspunkt für Anke Domscheit-Berg. Die 48-Jährige war zeitweilig Landesvorsitzende der Piratenpartei in Brandenburg. 2014 trat sie aus der Netzpartei aus. "Eklatanter Sexismus" bei einigen Mitgliedern und eine zunehmend konservative Ausrichtung seien die Gründe dafür gewesen, erzählte sie. 2017 will die im Norden Oberhavels beheimatete Politikerin für die Linken in den Bundestag einziehen. In der Antwort auf die Frage nach dem Warum kam auch sie nicht an der AfD vorbei. "Ich kann nicht zugucken, wie dieses Land wieder nach rechts rückt."
Zu ihren wichtigsten Themen gehört neben Geschlechtergerechtigkeit die Digitalisierung. Anke Domscheit-Berg fordert einen flächendeckenden Ausbau mit modernen Glasfasernetzen, die ihrer Meinung nach in kommunale Hand gehörten. Zudem müsse eine Partei wie die Linke schon heute danach fragen, "was es für eine Region bedeutet, wenn Computer und Roboter den Menschen die Arbeit abnehmen".