Schließlich hatte im März eine Mehrheit der Frankfurter  René Wilke zum ersten linken Oberbürgermeister gewählt. Die Freude über den Wahlsieg des von der eigenen Partei sowie von den Grünen getragenen Kandidaten ist bei den 248 Mitgliedern des Kreisverbandes noch immer groß. Und der Erfolg stimmt sie optimistisch für die anstehenden Kommunal-, Europa- und Landtagswahlen. Sandra Seifert, Fraktionsvorsitzende der Linken in der Stadtverordnetenversammlung (SVV), lobte den Tatendrang ihres Parteikollegen in den ersten Amtsmonaten als OB. Exemplarisch nannte sie neben der Zuzugskampagne auch das Thema Kinderarmut, das René Wilke zur Chefsache erkoren habe. Sie befand: „Die Stimmung in der Stadt ist eine bessere geworden.“
Selbstkritisch räumte Sandra Seifert zugleich ein, dass die Fraktion ihre neue Rolle als mitgestaltende Kraft nach Jahren in der Opposition „noch nicht richtig gefunden hat“. Die Linke wolle René Wilke „solidarisch aber an der einen oder anderen Stelle auch kritisch begleiten“, betonte sie. Aktuell umfasst die Fraktion 14 Mitglieder. Diese habe trotz personeller Wechsel seit 2014 vor allem im Sozialbereich viel für Frankfurt erreicht. Auch aus den Wahlen zur SVV am 26. Mai wolle die Linke daher wieder als stärkste politische Kraft hervorgehen, um Frankfurt gemeinsam mit dem OB „besser zu machen“, so Sandra Seifert.
Am gleichen Tag wird auch das Europäische Parlament neu gewählt. In seiner Rede warb der Linken-Kreisvorsitzende Jan Augustyniak dafür, „Frankfurt und Slubice zu einem Symbol, zu einem Leuchtfeuer der europäischen Idee werden zu lassen“. Mit deutlichen Worten wandte er sich gegen weiter erstarkende rechtsradikale und rechtspopulistische Kräfte. Er sprach sich stattdessen für Weltoffenheit und soziale Gerechtigkeit in Europa, im Land und Frankfurt aus. „Wir wollen keine trumpschen Verhältnisse. Wir wollen keinen Orbán, Le Pen, Gauland oder Möller“, erklärte Jan Augustyniak.
Der Frankfurter Direktkandidat der Linken für die Landtagswahl am 1. September, Wolfgang Neumann, forderte seine Partei dazu auf, die politische Auseinandersetzung mit der AfD zu suchen. „Viele Probleme, die sie benennen, gibt es wirklich“, unterstrich er. Allerdings würden viele Lösungsansätze der AfD „in die Katastrophe führen“. Er selbst wolle im Landtag eine „starke Stimme für unsere Stadt“ und auch den Osten Brandenburgs werden. „Keine Region darf vergessen werden.“ Im gut gefüllten Foyer des Kleist Forums sprach er sich zudem für die Abschaffung der Straßenausbaubeiträge und für eine Stärkung der kommunalen Selbstverwaltung aus. „Keine Experimente mit Reformen!“, so Neumann mit Blick auf die am Ende abgesagte Pläne zur Einkreisung der Stadt.