Zu den beeindruckendsten der insgesamt 28 Gäste diesen Jahres zählen beide Moderatorinnen Hannah Lotte Lund, die Direktorin des Frankfurter Kleist-Museums, die im Juni eingeladen war. "Das war so eine erfrischende Begegnung. Ihr Humor und ihr gellendes Lachen haben das ganze Publikum begeistert", sagt Wanders. Sie sei überrascht gewesen, mit welcher Hingabe Hannah Lotte Lund sich der historischen Forschung widme und wie lebendig Geschichte vermittelt werden könne. Auch Kristina Vogel sei bemerkenswert gewesen. Die ehemalige Bahnradsport-Weltmeisterin ist seit einem Trainingsunfall 2018 querschnittsgelähmt. "Sie hat so eine Energie, Kraft und Humor ausgestrahlt und wahrhaftig gezeigt, dass man aus jeder Lebenssituation etwas machen kann. Dass man sein Schicksal selbst in der Hand hat", sagt Claudia Seiring.
Den besten musikalischen Auftritt habe "Karussell" hingelegt. Die ehemalige DDR-Rock-Band aus Leipzig feierte gerade ihr Comeback. Als sie im Juni im Kleist Forum spielten, "standen wir da wirklich wie Teenie-Fans", schwärmt Lilo Wanders. "Das war so bewegend, am liebsten hätte ich eine Zugabe nach der anderen gehört." Aber auch die MOZ-Talkshow-Band, bestehend aus Søren Gundermann, Thomas Strauch und Jacek Faltyna, die jeden Talk begleitet, sei unbedingt erwähnenswert. "Es ist toll, wie sie jeden Gast immer ganz individuell begrüßen", findet Seiring. Als Sarah Wagenknecht im März auf die Bühne kam, stimmten sie die "Internationale" an, zum Auftritt von Dagmar Berghoff, der ersten weiblichen Nachrichtensprecherin der Bundesrepublik, die "Tagesschau"-Melodie. Auch Lilo Wanders, die zur Begrüßung jeder Show einen Song zum Besten gibt, wird von den drei Musikern begleitet.
Sarah Wagenknecht habe Claudia Seiring durch ihre Menschlichkeit überrascht. "Man hat etwas von ihrer Persönlichkeit sehen können." Genau wie die im März noch Fraktionsvorsitzende der Linken sprach im Dezember SPDlerin Klara Geywitz im Kleist Forum über die Anstrengungen und Kehrseiten des Politikbetriebs, denn "wir sind ja hier unter uns", hatte Geywitz gesagt. "Ich glaube, das ist wirklich das Besondere am Format unseres Talks, dass die Gäste keine Angst vor uns haben", sagt Claudia Seiring. "Wir plaudern einfach, aber nie oberflächlich!" Oft verändere sich in den Gesprächen das Bild, das man im Vorhinein von einem Gast hatte, vollkommen, zum Beispiel bei Claus Strunz, ehemals Chefredakteur von "Bild am Sonntag" und "Hamburger Abendblatt". "Mir ist schnell klar geworden, dass man ihn nicht einfach in die rechtspopulistische Ecke stellen kann, sondern dass er ausspricht, was viele denken", sagt Lilo Wanders.
Liebe zwischen Moderatorinnen
Die heimlichen Stars der Shows sind für die Moderatorinnen aber die jeweils andere. "Wir sind ein eingespieltes Team", sagt Claudia Seiring, "Lilo ist wie eine Bank für mich." Lilo Wanders schätzt die journalistische Bildung ihrer Mitmoderatorin. Nur einmal sei sie ihr zu diskret gewesen. Im März, da habe sie, ohne es zu merken, dasselbe grün-blau-goldene Kleid angezogen wie beim vorherigen Talk. "Dabei habe ich 353 geschneiderte Kleider! Erst an Claudias zurückhaltendem Kompliment habe ich gemerkt, dass irgendetwas nicht stimmt." Genau dieses Outfit habe ihr aber wirklich besonders gut gefallen, widerspricht Claudia Seiring. "Lilo ist einfach ein Gesamtkunstwerk. Ich liebe ihre Beine und wie sie in den hohen Schuhen laufen kann." Manchmal erzähle Lilo Wanders auf der Bühne von ihrer "Mops-Mulde" im Dekolleté. "Dann möchte ich vor Lachen vom Sessel fallen!" Zur Vorbereitung jedes Talks treffen Wanders und Seiring sich im Frankfurter Café "Brot und Zucker", nicht nur wegen des guten Kaffees. Beide schätzen das Ritual, regelmäßig an denselben Ort zu kommen – das nächste Mal wieder im März.
Unterstützt wird die Veranstaltungsreihe von der Sparkasse Oder-Spree, dem Frankfurter Brauhaus, dem Steuerbüro ETL Freund&Partner, der Wohnungsbaugenossenschaft Süd, dem City Residence Hotel und dem Mercedes-Autohaus Franz.
Die Termine der MOZ-Talks 2020: 18.03. (anlässlich des 30. MOZ-Geburtstags), 03.06., 16.09. und 16.12., jeweils 19.30 Uhr im Kleist Forum.